Geballte Girl-Power

Das Party-Kollektiv hoe_mies setzt mit queer-feministischen Hip-Hop-Veranstaltungen ein politisches Statement in der Berliner Club-Szene

Regierungsviertel, Berlin: Täglich treffen sich hier Politiker, um Entscheidungen zu treffen, die das Land und die Welt verbessern sollen. Der perfekte Ort, um sich mit den 26-jährigen Berlinerinnen Gizem Adyaman und Lucia Luciano zum Interview zu treffen. Mit ihrem Party-Kollektiv hoe_mies fokussieren sie sich auf queer-feministischen Hip-Hop und setzen in der Berliner Club-Szene ein Statement.

writingaboutfashion: Wie ist das Konzept entstanden?
Gizem: Es gibt eine Party, die Weiblichkeit im RnB zelebriert. Weibliche Interpretinnen und Lil Kim auf dem Flyer und solche Sachen. Ich bin auf diese Party aufmerksam geworden, weil es genau die Art von Musik mit einem Fokus auf Frauen ist, die ich mag. Aber das DJ-Line-up war durchweg männlich. Auch die Veranstalter. Ich habe dann mit einem von ihnen das Gespräch gesucht, indem ich über Facebook auf der Veranstaltungsseite etwas gepostet habe. Ob es Zufall sei, dass es keine weiblichen DJs gibt oder ob das so gewollt ist. Dann haben sie gemerkt, dass die Diskussion ganz schön Feuer gefangen hat, sodass ich schließlich eingeladen wurde, um persönlich darüber zu sprechen. Das Gespräch hat zu nichts geführt. Letzten Endes meinte er zu mir: „Wenn’s dir nicht passt, dann mach es doch besser.“ Und ich dachte mir okay, mach ich.

Wann habt ihr schließlich hoe_mies gegründet?
Gizem: Etwa Anfang des Jahres. Die Idee dazu kam so im November und dann kam ich auf Lucia zu und sie war sofort dabei. Die konkrete Planung hat dann Anfang 2017 begonnen und letzte Woche hatten wir unser erstes Event.

Wie ist es angekommen?
Lucia: Richtig gut! Als wir die Party angekündigt hatten, haben wir bereits erstes positives Feedback erhalten. Dass so was total fehlt und alle sehr gespannt sind.
Gizem: Ganz viele Leute haben uns Nachrichten geschrieben, dass sie uns unterstützen. Auf der Party war die Stimmung total angenehm. Die Leute haben sich frei gefühlt, alle haben ohne Ende getanzt. Die haben sogar eine Traube im Club gebildet – einer powerte sich in der Mitte aus und alle anderen feuerten die Person an.
Lucia: Wir hatten sogar Schweiß an der Decke! Die Inhaber des Clubs, die erst etwas skeptisch waren, waren so begeistert. Alle, die da waren haben sich bedankt. Wir waren echt gerührt von dem Ganzen.

Das Line-up war komplett weiblich?
Gizem: Wir hatten vier DJs, die sich als weiblich identifizieren und einen, der sich als Genderqueer identifiziert.

Die Party fand im Beate Uwe statt. Der Name erinnert stark an einen Sexshop. War das Absicht?
Gizem: Das war ein glücklicher Zufall.
Lucia: Wir haben uns zwar viele Clubs ausgesucht, aber das war mein Favorit. Zum einen wegen des Namens aber auch, weil ich gehört habe, dass die Anlage super sei. Wir waren vorher nie in diesem Club. Aber es hat einfach alles perfekt gepasst.

Was glaubt ihr, warum die Club-Szene von Männern dominiert wird?
Gizem: Ich habe das Gefühl, vor allem seit ich in dieser Szene noch intensiver drin bin, dass man Frauen einfach weniger zutraut. Viele Männer waren im Vorfeld sehr skeptisch, als sie von unserem Plan gehört haben.

Dennoch ist die Hip-Hop-Szene mit Künstlern wie Travis Scott, Skepta und Kendrick Lamar sehr männlich. Spielt ihr bei euren Partys männliche Interpreten oder ist alles durchweg feminin?
Gizem: Wenn ich auflege, achte ich darauf, dass ich weibliche Künstler meinem Publikum vorstelle und die Reichweite vergrößere. Als DJ hast du eine Art Bildungsauftrag und musst den Leuten neue Musik zeigen beziehungsweise die, die in der Masse untergeht. Ich finde es aber auch nicht schlimm, wenn es andere nicht so machen. Natürlich spiele ich auch gerne Travis Scott und Skepta. Witzig, dass du genau die erwähnt hast.
Lucia: Wir haben nicht wirklich Vorgaben. Wir wollen schließlich keine künstlerische Freiheit einschränken. Aber es wäre schön, wenn eine Balance da ist.

 

Waren bei eurer Party überwiegen Frauen und die, die sich als solche identifizieren?
Lucia: Es war wirklich gut gemischt. Das hat meine Erwartungen total übertroffen. Alles, was man sich vorstellen kann, war da.

Sieht ihr euch selbst als Feministinnen?
Gizem: Das Problem ist, dass der Begriff Feminismus viele Leute abstößt. Alle denken sofort an Alice Schwarzer und das hat einen negativen Beigeschmack. Das wird auch oft mit Männerhass verbunden, was es ja überhaupt nicht ist. Es geht um Gleichheit für alle Geschlechter.
Lucia: Wir wollen niemanden ausschließen. Alle Männer dürfen kommen, wenn sie unser Konzept cool finden.

Was habt ihr für die Zukunft geplant?
Lucia: Wir machen definitiv eine weitere Party. Wir wollen auch eine Art Learning Space schaffen, uns viel austauschen und mal schauen, was noch so kommt.
Gizem: Lasst euch überraschen!

Karolina

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