BLU – eine Art „Kill your Darlings“

Die Geschichte hinter dem Werk

2007 verewigte sich Blu mit seinem ersten Werk in Berlin auf der sogenannten Cuvry-Brache. Der Street-Art-Künstler sprühte auf eine Hauswand den Oberkörper eines Mannes, der an den Handgelenken jeweils eine goldene Uhr trug. Sie wurden als Handschellen dargestellt, die mit einer goldenen Kette verbunden waren. Der Oberkörper richtete sich mit seinen verbundenen Händen die Krawatte. Das Bild hatte der Künstler im Rahmen des „Planet Prozess“, ein Ausstellungsprojekt des Berliner Kunstvereines „Artitude“ zur Street-Art, angefertigt.

Ein Jahr darauf folgte ein zweites Graffiti direkt neben dem ersten Wandgemälde, ein Gemeinschaftswerk mit dem französischen Street-Art-Künstler JR. Das Bild thematisierte die deutsche Teilung – die Berliner Mauer verlief nur wenige Meter weit davon entfernt. Abgebildet waren zwei maskierte Gestalten, eine davon auf dem Kopf stehend. Beide streckten jeweils die Arme aus, um den anderen die Maske abzuziehen. Mit ihren freien Händen formten sie ein W und ein E für Eastside und Westside, im übertragenen Sinne Ost und West. „Reclaim your City“ (Hol dir die Stadt zurück) schrieben die beiden Künstler rechts daneben.

Blu ist der Künstlername des italienischen Street-Art-, Graffiti- und Videokünstler, dessen Identität verborgen bleibt. Seit 1999 schmückt er in Großstädten Wände. Seine Kunstwerke finden sich in mehreren europäischen Ländern wieder, aber auch in Westjordanien und in Nord-, Mittel- und Südafrika.

In den 70er-Jahren kamen durch die Hip-Hop-Bewegung die ersten Street-Art-Werke nach Berlin. Street-Art-Artisten nutzen die Wände, um politische Statements zu setzen. Alles was als Unterlage dient, wurde bemalt oder beklebt, auch Stromkästen, Laternen, Verkehrsschilder und vieles mehr. Im Prinzip kann man sich an jeder Ecke austoben. In Deutschland gilt Berlin als die Hauptstadt für Street-Art: Viele Künstler aus der ganzen Welt haben sich hier bereits verewigt. Es sind oftmals politische oder sozialkritische Botschaften, die die Künstler vermitteln. Einer der spannendsten Spots ist der Kiez rund um das Schlesische Tor. An der Cuvrystraße bleibt man bis heute stehen.

2014 war der Schock groß, als eines der berühmtesten Wandgemälde Berlins übermalt wurde. Innerhalb einer Nacht fuhr eine große Personengruppe mit zwei Kränen an. Über verschiedene Sozialmedia-Netzwerke wurde der Vorgang verfolgt und das Gemälde schwarz bemalt. Die sogenannten Schwarzmaler wurden vom Künstler selbst beauftragt, sein Werk zu übermalen. Blu hat sich nicht dazu geäußert. Nur einer der Schwarzmaler weiß, dass es weniger der Protest gegen die geplanten Neubauten durch einen neuen Investor war, sondern vielmehr eine Auflehnung gegen die gesamte Stadtentwicklungspolitik. Für Blu war es aber eher eine Wiederbelebung seiner Werke, eine Art Neugeburt. Denn eines war ihm von vornherein klar: dass die Gemälde nicht bleiben sollen. „Vom ersten Moment ihrer Existenz waren Blus Gemälde zum Verschwinden verdammt“, so ein Schwarzmaler.

Your City – Mehr als ein Statement

So hat er sein eigenes Bild wie eine Korrektur in einem Aufsatz schwärzen lassen. Für mich ist es bis heute eines der ausdrucksstärksten Wandgemälde in Berlin. Es ist eine Sache, wenn jemand dein Bild übermalt. Eine andere ist es, wenn du den Auftrag gibst. Diesen radikalen Schritt zu gehen, hat in meinen Augen etwas mit Selbstdarstellung und Mut zu tun. Beim Originalbild war klar, um was es geht. Jetzt ist es ein Rätsel. Man bleibt davor stehen und erahnt nur diese ernorme Dimension, die hinter der schwarzen Farbe steckt.

Foto: flickr/Graham C99

Wala

von

"There are people who have money and people who are rich." - Coco Chanel // #Art // Kontostand: halte die Augen geschlossen

Schreibe einen Kommentar