Clever Taxi fahren

Das junge Start-Up CleverShuttle bietet nicht nur Taxifahrten für die Hälfte des Preises an, sondern tut mit diesen auch der Umwelt gut

Letzten Sonntag waren Stella und ich bei einer Freundin zum Abendessen eingeladen. Es gab Pizza und Pasta, nach dem mächtigen Essen war ich nicht mehr bereit mich um 23:30 Uhr in die U-Bahn zu setzen und von der Hermannstraße bis zum Prenzlauer Berg zu fahren. Mein Magen war zu voll und ich war zu müde oder einfach zu faul. Ich wollte mit dem Taxi nach Hause. Als ich anrufen wollte, sagte Stella: „Stop warte mal! Leg wieder auf.“ Sie erklärte mir, dass sie eine App kenne, bei der man Elektro-Taxis bestellen könne und nur die Hälfte von dem Normalpreis zahle. Eine weitere App auf meinem iPhone. Ich war skeptisch. Aber die Hälfte vom Preis? Mit diesem Argument hatte sie mich überzeugt. Ich lud die App runter: CleverShuttle.

Pünktlich um 23:50 Uhr kam das kleine, weiße Taxi in der Hermannstraße 101 an. Der Fahrer, der mir als Khoa angekündigt worden war, begrüsste mich herzlich mit meinem Namen: „Hallo Sara, steig ein!“ Was für ein netter Typ, dachte ich. Während der Fahrt sammelten wir noch eine andere Sarah ein, die auch zum ersten Mal mit CleverShuttle reiste. „Ich habe mich schon so oft mit meinen Freunden darüber unterhalten, dass es unsinnig ist, alleine in einem Taxi zu fahren.“, sagte sie.

Khoa erzählte uns, dass drei ehemalige Mitschüler aus seinem Abiturjahrgang die Gründer des Startups sind und viele weitere aus der alten Klasse auch dort arbeiten. Für mich wurde das Ganze immer sympathischer. Als ich am Ziel ankam, sagte Khoa, dass jede erste Fahrt gratis sei. Zudem habe ich für die nächste Fahrt ein Guthaben von 15 Euro erhalten, weil ich mich bei CleverShuttle registriert hatte. „Echt jetzt?“, fragte ich. „Ja echt jetzt!“, sagte Khoa. Mit einem guten Gefühl verließ ich die beiden, die nach Friedrichshain weiterfuhren. Ich wollte nun mehr über dieses Konzept erfahren.

In meinen Recherchen fand ich heraus, dass Elektroautos eine Ausnahme auf den Straßen Berlins sind. Gerade mal 22 Elektroautos waren Anfang 2009 in Berlin angemeldet, Anfang 2016 waren es immerhin 1445. Laut der Verkehrsverwaltung Berlin machen sie damit gerade mal 0,12 Prozent der insgesamt 1,18 Millionen Pkw in der Stadt aus.

Am Montag darauf, traf ich mich zum Interview mit Bruno, einem der Gründer von CleverShuttle. Er begrüsste mich herzlich in seinem Büro, dass sich in Schöneberg befindet. Mit seinen Freunden Jan und Slava, die er seit Gymnasialzeiten kennt, hat er sich vor knapp drei Jahren selbstständig gemacht. Alle drei sind Kinder von Unternehmern, und hatten den Drang etwas eigenes auf die Beine zu stellen. „Die Idee an sich hatte Jan. Uns allen ist aufgefallen, dass wenn wir Taxi fahren, dann nur in einer Gruppe. Ein Zehner pro Nase das geht noch. Aber 30 Euro für eine Fahrt? Dann nehme ich lieber die Bahn!“ sagte Bruno. So kam den Dreien der Gedanke des Sharing-Konzeptes, der zunächst sehr effizienzgetrieben war. Dass das ganze umweltfreundliche Aspekte annehmen würde, kam tatsächlich erst im Laufe der Entwicklung des Konzepts.
 Im Büro von CleverShuttle sitzen mittlerweile 25 Mitarbeiter. Einige davon auch Freunde aus der Abi-Zeit. Die Fahrer mitgezählt, sind insgesamt 80 Mitarbeiter bei dem Start Up tätig.

Der Leitsatz “Sharing is caring“, mit dem CleverShuttle wirbt, hat sich das amerikanische Taxi Unternehmen Uber auch zu Herzen genommen. Fast zeitgleich zu CleverShuttle entwickelte Uber mit Uber Pool in San Francisco ein ähnliches Konzept. „Es liegt eigentlich auf der Hand: Es hilft die Auslastung der Fahrzeuge zu erhöhen und man zahlt weniger, was verkehrsreduzierend wirkt. Eine Win-Win Situation sozusagen“, sagt Bruno.

Er erzählt mir, dass sie anfangs Schwierigkeiten hatten, ihr Konzept mit den Behörden zu verwirklichen. So wendeten sie sich an Berlins Bürgermeister, der gleich begeistert war von der Idee. Anfangs finanzierten Business Angels (vermögende private Investoren, die neben Kapital auch Know-how in das Unternehmen mit einbringen) das Projekt, bis Ende 2015 dann die Deutsche Bahn einstieg. „Sogar meine eine ehemaligen Kollegen konnte ich am Anfang kaum dazu bekommen, die App zu nutzen. Viele haben es erst nach Monaten ausprobiert und sind jetzt darauf hängen geblieben“, sagte Bruno. Die Barriere sei groß: Erst mal eine App herunterladen und sich registrieren. Deshalb bekommt man als Dankeschön die 15 Euro Guthaben und die Gratisfahrt. Das sei eine Win-Win Situation für den Kunden der wirbt sowie auch für das Unternehmen, das weitere Kunden dadurch bekommt.

Momentan ist CleverShuttle in Berlin, München und Leipzig. Bis Ende des Jahres sollen noch weitere fünf Städte folgen. 14.000 Kunden haben sie momentan. Und die Zahl der Fahrten steigt im Monat um rund 27 Prozent. Die Kunden entwickeln sich relativ analog dazu. Auf Berlins Straßen sind zurzeit zehn CleverShuttle-Taxis unterwegs, noch in diesem Monat sollen es 30 Taxis werden.
„Momentan geht es uns wie anderen Start ups auch. Wir sind beschäftigt damit, zu überleben. Aber wir glauben alle an die Idee und das macht alles leichter.“ sagt Bruno. Es ginge ihm nicht darum, eine krass gut laufende Firma haben, sondern ein System, was es seit Jahrzehnten gibt, verbessert zu haben. Er sagt noch: „Früher hieß es doch ‚Meckert nicht so viel, macht es doch besser!‘ Und damit hätten wir es nämlich getan.“

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