Das jüngste Gerücht

Fingierte Kommentare, alternative Fakten, Falschmeldungen. Fake News verbreiten sich mit rasanter Geschwindigkeit im Netz und stellen die Wahrheit in Frage.

In der Endphase des US-Wahlkampfes wurden die 20 erfolgreichsten Falschmeldungen öfter geteilt, geliked und kommentiert als die 20 erfolgreichsten Berichte seriöser Medien. Eine russische Website verbreitet, der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron sei schwul – die ganze Welt diskutiert darüber. Sogenannte Fake News verbreiten sich mit rasender Geschwindigkeit im Internet. Doch auch wenn der Begriff Fake-News in aller Munde ist, ist er wenig hilfreich. Er steht für alles und nicht. Für Lügen, Überspitzungen, Parodie, Propaganda, Spam, einfache Irrtümer und eben für wissentlich gefälschte oder erfundene Nachrichten, die gestreut werden, um sich zu verbreiten und die Öffentlichkeit zu manipulieren.

Die steile Karriere der Fake News ging Hand in Hand mit dem Aufstieg des Mannes, dem angeblich sogar gefälschte Nachrichten zum Wahlsieg verholfen haben sollen. Seitdem sich Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten nennen darf, verschärfte sich die Bedeutung des Wortes nicht nur zu einer politisch motivierten, gezielten Manipulation von Menschen, seitdem wird es auch für Inhalte genutzt, die abgetan werden, weil sie nicht ins eigene Weltbild passen. Kommt US-Präsident Donald Trump mit der kritischen Berichterstattung der Medien nicht klar, schreit er ihnen „Fake News“ entgegen – so geschehen auf seiner ersten Pressekonferenz nach dem Wahlsieg.

In Deutschland sammeln sich Fake News schon länger in den sozialen Medien. Seit dem Sommer 2015 – in dem Kanzlerin Merkel die Türen für Schutzsuchende öffnete – wird mit Halbwahrheiten und Gerüchten über Geflüchtete im Netz Stimmung gemacht. Ganze Medienprojekte haben sich darauf spezialisiert, Halbwahrheiten, Lügen und politische Propaganda gezielt zu verbreiten. Auch zum Bundestagswahlkampf befürchtet viele eine neue Welle von gezielten Falschmeldungen.

Vor dem Hintergrund dieser Debatten und den bisherigen Erfahrungen mit Fake News, hat sich die ARD dazu entschlossen, das Thema journalistisch anzugehen: mit dem Projekt faktenfinder – einer neuen Anti-Fake-News-Redaktion in Hamburg. „Der Kampf gegen gezielte Falschmeldungen und Desinformation lässt sich nicht durch Gesetze gewinnen. Es ist vielmehr Aufgabe von Journalisten und Medien, über dieses Problem aufzuklären“, erklärte Tagesschau.de-Redakteur Patrick Gensing zum Start der Plattform. Sein Team beobachte genau, was im Netz passiere und sucht gezielt auf Seiten, auf denen sich die meisten Falschmeldungen verbreiten. Haben sie die mutmaßliche Fake News identifiziert, prüfen sie die Relevanz: Muss die Falschmeldung thematisiert werden oder trägt man damit erst recht zu ihrer Verbreitung bei? Denn der Umgang mit Fake News ist alles andere als simpel.

Was aber passiert mit einer Gesellschaft, die Fakten nicht mehr glauben kann und will, weil sie nicht mehr ins eigene Weltbild passen? Die Menschen verlieren das Vertrauen. Sie fragen sich: Was und wem kann ich noch trauen? So verschärfen Fake News die Spaltung der Gesellschaft. Sie konstruieren ein alternatives Wahrheitsgebilde, durch das sich diejenigen bestätigt sehen, die schon Zweifel am Wahrheitsgehalt etablierter Medien in sich tragen. Denn wer davon überzeugt ist, dass etablierten Medien Lügen verbreiten, wird nicht einsehen, das Fake News falsche Tatsachen enthalten. Die Gesellschaft teilt sich in Lager, die unterschiedliche Versionen des politischen Geschehens für wahr halten und die jeweils andere Version für gelogen. Es fehlt an einer gemeinsamen Gesprächsgrundlage. Die Wahrheit? Wer kennt die schon! Ist doch eh alles subjektiv!

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