Der Musikgott ist eine Frau

Florina Krampen hört, was gut ist. Die 21-Jährige arbeitet seit knapp einem halben Jahr bei Colors Berlin, einem digitalen Musikmagazin, und betreut und unterstützt junge Musiker auf ihrem Weg. In der internationalen Musikbranche ist sie bekannt für ihr gutes Gespür. Im Interview spricht sie über ihre neuesten Entdeckungen und ob das jeder erlernen kann

Writingabout fashion: Wann hat deine Leidenschaft für Musik angefangen?
Florina Krampen: Als ich 13 Jahre alt war, habe ich die Sommerferien bei meinen Cousins verbracht. Sie haben zu dieser Zeit Künstler wie Chris Brown, Mario, etc. gehört. Ab da habe ich mich immer mehr für Musik begeistert. Danach habe ich mir Accounts bei Limewire, Bearshare und Soundcloud gemacht. So hat alles seinen Lauf genommen.

Du hast einmal gesagt, dass du bis zu acht Stunden am Tag Musik hörst. Kann das auch anstrengend sein?
Anstrengend ist das falsche Wort. Ich liebe Musik. Es ist manchmal einfach so viel, dass ich mir die Namen der Lieder schwer merken kann. Und eigentlich würde ich gerne alles wissen.

Dein Gespür für Musik wird von vielen Leuten in der Branche sehr geschätzt. Kann man das erlernen oder ist das tatsächlich angeboren?
Ich glaube, beides ein bisschen. Es hat auf jeden Fall mit dem Verständnis für Klang zu tun, also ein gutes Gespür für Musik zu haben. Aber auch andere Dinge sind entscheidend: Ist ein Cover ansprechend? Und passt der Künstlername? Das sind solche Fragen, die man sich stellt. Es ist auch wichtig, wo man neue Musik findet, wo man danach sucht. Ich glaube, dass man es definitiv bis zu einem gewissen Grad erlernen kann, wenn man die oberen Punkte beachtet. Aber am Ende ist es trotzdem das Talent – das Gefühl für Zeit und Musik, das man entweder hat oder eben nicht.

Seit letztem Jahr bist du für Artists and Repertoire“ bei Colors Berlin zuständig. Wie kam es dazu?
Die Gründer und ich haben gemeinsame Bekannte. So kamen wir letzes Jahr in Kontakt.

Wie kann man sich deinen Alltag vorstellen?
Wenn ich in Berlin bin, bin ich bei den Studio-Sessions dabei. Ich bin die direkte Ansprechpartnerin zwischen den Künstlern und Colors Berlin. Ein großer Teil meiner Arbeit ist auch, E-Mails zu schreiben: an Künstler, PR-Agenturen sowie Musiklabels. Und nebenbei höre ich viel Musik. In der Branche nennt man das diggen“. Es ist ein Fulltime-Job. Aber eigentlich auch nicht, weil ich das liebe, was ich mache. Es fühlt sich für mich nicht wie Arbeit an. Das würde ich in meiner Freizeit auch tun.

Wer sind momentan deine Lieblingskünstler? Was macht sie besonders?
Schwierige Frage! Ich würde sagen Yellow Days, Miles From Kinshasa, Fredwave und MTMBO – alle sind noch am Anfang ihrer Karriere, aber haben unglaubliches Talent.

Was muss man deiner Meinung nach mitbringen, um heute erfolgreich in der Musikbranche zu sein?
Als Künstler sollte man individuell sein, seinen eigenen Sound mitbringen. Das ist mittlerweile gar nicht so einfach. Oftmals kennt man das Phänomen, dass sich vieles gleich anhört. Individualität und nicht eingefahren zu sein, gelingt nur den wenigsten Künstlern. Das Image spielt auch eine große Rolle: Wie präsentiert man sich auf Social Media? Und welchen Kontakt pflegt der Künstler zu seinen Fans. Genauso wichtig ist das Artwork, das heißt Videos, Bilder, Cover, etc. Man kennt das doch: Manchmal ist der Song nicht zu 100 Prozent gut, aber das Video macht das Schlechte wieder wett.

Bevor Anderson Paak groß herrauskam, hast du seine Musik gehört und gesagt, dass er Erfolg haben wird. Jetzt, Jahre später, ist er ein Weltstar. Das Gleiche gilt für J.Cole. Kannst du uns einen Tipp geben, welche Künstler in Zukunft Erfolg haben könnten?
Ich kann keinen konkreten Tipp geben. Da spielen viele Mächte mit: Es braucht Glück, Zeitverständnis und das richtige Gefühl für Musik. Wenn man das besitzt, kann man groß rauskommen.

Es scheint so, als würdest du immer das machen, was dir Spaß macht. Was sind deine nächsten Projekte und welche Träume hast du im Bezug auf dein Leben?
Ich würde gerne Music Supervisor werden. Das sind Leute, die Musik in Filmen, Serien und Werbungen platzieren. Auch würde ich gerne einen Künstler managen. Vorher will ich aber alles, was man braucht, erlernen. Ich möchte einfach allen meinen Musikerfreunden helfen, das zu erreichen, was sie wollen und sie in ihren Träumen bestärken!

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