Die Inspirations-werkstatt

Endlich mal ein bisschen Bling Bling in der minimalistischen Berliner Modewelt! Wie Modetechnologie nicht nur Schwung in die Branche bringt, sondern auch unsere Welt künftig besser macht.

Mit ihrem Label Elektrocouture bringt Lisa Lang Designer und Techniker aus aller Welt in ihrem Kreuzberger Atelier zusammen. Das Ergebnis: Mode, die smart ist. In ihrem jüngsten Projekt erfüllt das bunt gemischte Team dem Weltstar Marlene Dietrich ihre Vision von einem leuchtenden Couture-Kleid und erregt damit internationales Aufsehen.

Writing about Fashion: Wie kamt ihr auf die Idee, Marlene Dietrich 25 Jahre nach ihrem Tod ein leuchtendes Kleid zu kreieren?
Lisa Lang: Eine Filmproduktionsfirma ist bei Recherchen für eine Dokumentation zu Ehren ihres 25. Todestages auf Briefe von Marlene gestoßen, in denen sie ihre Vision von einem leuchtenden Couture-Kleid beschreibt. Wir wurden gefragt, ob wir das verwirklichen könnten. Das Projekt kam uns entgegen, da wir technische Mode im Alltag der Menschen etablieren wollen. Da ist es eine super Geschichte, dass auch Marlene schon 1958 Technologie in ihrem Kleid haben wollte.

 

 

Wie habt ihr Marlenes Vision umgesetzt?
Das Kleid besteht aus roséfarbenem Chiffon, auf dem wir Blumenapplikationen und Swarovski-Steine gestickt haben. So behält das Kleid den von Marlene gewünschten Nude-Look, verdeckt aber trotzdem alles Nötige. In den Swarovski-Steinen sind kleine Löcher, unter denen sich LED-Leuchten befinden, die sich über eine Fernbedienung ein- und ausschalten lassen. Der Strom kommt von einer Batterie am Rücken des Kleides. Geleitet wird der Strom über das Garn, mit dem die Applikationen aufgestickt wurden. So ist der Stromkreis direkt in die Textilie eingearbeitet und von außen unsichtbar. So sieht das Kleid auch ausgeschaltet ästhetisch aus.

Wo kann man das Kleid bewundern?
Die Dokumentation wird am 7. Mai auf Arte ausgestrahlt. Außerdem wird das Kleid weltweit in Ausstellungen vorgeführt.

Aus wie vielen Designern besteht euer Team gerade?
Es sind acht Modedesigner, hinzu kommen noch einige Techniker. Wir sind ein sehr buntes Team jeden Alters und mit verschiedenen Hintergründen.

Aus welchen Gründen kommen die Designer zu dir?
Viele sind frustriert über den Status quo in der Mode. Die Branche ist in sich gefangen. Es gibt keine Innovation. Sie wollen hier also etwas Neues lernen, um wieder inspiriert zu sein. Manche kommen auch mit speziellen Ideen und möchten einfach wissen, wie sie sie umsetzen können. Hier sitzen Techniker und Designer an einem Tisch und erklären sich gegenseitig ihr Handwerk, um gemeinsam etwas völlig Neues zu entwickeln. Wir sind so etwas wie ein Übersetzungsservice zwischen beiden Branchen.

Normalerweise macht ihr Ready-to-wear. Was sind eure aktuellen Projekte?
Zum einen soll eine vom Marlene-Kleid inspirierte Ready-to-wear-Kollektion entstehen. Zum anderen arbeiten die Designer gemeinsam an ihren neuen Kollektionen für die Fashion Week. Und eine Sportkollektion aus smarten Textilien ist gerade fertig geworden.

Was kann eine Sportkollektion aus smarten Textilien, was eine normale Kollektion nicht kann?
So einiges! Die smarten Textilien sind hautpflegend, bieten UV-Schutz, reflektieren Elektro-Smog, neutralisieren Schweißgeruch und passen sich der Körperwärme an.

Können Textilien von Nike oder Adidas, die ebenfalls mit innovativen Stoffen werben, das nicht?
Die haben ähnliche Stoffe, das stimmt. Wir inspirieren aber den Markt, indem wir zeigen, dass nicht nur große Marken smarte Textilien entwickeln können. Außerdem sind wir schneller und können neue Entwicklungen sofort in unsere Kollektionen einbauen. Auch beim Thema Nachhaltigkeit haben wir die Nase vorn.

Inwiefern seid ihr dabei nachhaltig?
Wir haben ein internes Biochemielabor, in dem wir Textilien aus Abfällen herstellen können. Wir züchten Textilien aus Annanassblättern und Fischschuppen oder verwenden Bambus als Alternative zu Baumwolle. Außerdem generieren wir natürliche Farben, beispielsweise aus Pilzen.

Wie realistisch ist es, eine gesamte Ready-to-wear-Kollektion aus nachhaltigen Stoffen zu fertigen?
Das ist theoretisch möglich. Das Problem in der gesamten Modetechnologie-Branche ist aber, dass es bisher wenige Produktionsstätten und auch noch keine Produktionsstandards, die Qualitätslevels definieren, gibt. Es gibt auch keine Regelungen für den Transport. Als was verschifft man smarte Textilien? Als Elektronik, Biotechnologie oder reine Textilie? Wir arbeiten gerade daran, eine solche Standarisierung voranzutreiben.

Abgesehen von der Nachhaltigkeit. Was bringt uns Technologie in der Mode? Muss Kleidung leuchten können?
Es geht vor allem um Inspiration. Designer müssen wissen, dass es auch Alternativen gibt. Wir erweitern lediglich ihr Nähkästchen. Neben Reißverschlüssen können darin eben auch LED-Leuchten oder Microchips liegen. Bei Design geht es darum, eine Geschichte zu erzählen. Und wir helfen Kreativen, ihre Geschichte besser präsentieren zu können oder vielleicht auch völlig neu zu erfinden. Man könnte Kleidung auch so programmieren, dass sie mit der Waschmaschine kommunizieren und ihr vermitteln kann, welchen Waschgang sie benötigt. Die Technik ist so weit. Jetzt liegt es am Menschen, etwas daraus zu machen.

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