„Egal wo ich war, ich wurde nicht akzeptiert“

Kussay Chichakly ist in Damaskus geboren. Er ist aber nicht vor dem Krieg geflohen, sondern vor der Unterdrückung, die ihm als homosexueller Mann in seiner Heimat das Leben zur Hölle machte.

Seit Mitte 2015 lebt der 39-jährige Modedesigner in Berlin. Sein Weg führte ihn über den Libanon nach Dubai und dann nach Deutschland. Uns erzählt er seine Geschichte.

 

Writingaboutfashion: Wo hast du Modedesign studiert?
Kussay Chichakly: Studiert habe ich an der Esmod in Syrien.

Writingaboutfashion: Warum bist du aus Damaskus wegegezogen?
Kussay Chichakly:
Naja, ich bin schwul. Das ist in Syrien ein großes Problem. Es war kurz nach meinem Abschluss. Meine Eltern haben rausbekommen, dass ich schwul bin. Meine Mutter wollte mich am liebsten ins Gefängnis schicken. Also bin ich in den Libanon geflohen. Fast zwei Monate habe ich quasi auf der Straße gelebt und habe dann ein Jobangebot bekommen. Es hat mir dort schon lange nicht mehr gefallen, aber durch den Libanonkrieg hat mir das Unternehmen immer mehr Geld geboten. Also blieb ich fast sieben Jahre.

Writingaboutfashion: Und wie kam es dazu, dass du nach Dubai gezogen bist?
Kussay Chichakly:
In der Zeit als ich im Libanon war, kannte ich den Designer Rami al Ali schon. Er rief mich an und sagte: „Kussay, dein Job im Libanon ist beendet, komm sofort nach Dubai.“ Also packte ich meine Sachen und machte mich auf den Weg. Dort habe ich acht Jahre mit dem Designer zusammengearbeitet. Er ist mittlerweile sehr bekannt in der Modebranche. Sogar auf der Paris Fashion Week hat er schon gezeigt. (Kussay holt sein Lookbook aus seiner Tasche) Auf diesen Bildern sieht man einige Kreationen von mir als ich bei Rami gearbeitet habe. Wir haben für viele Prominente Abendkleider entworfen.

Writingaboutfashion: Welche Stars hast du kennengelernt oder eingekleidet?
Kussay Chichakly:
Ich habe sie natürlich nicht alle kennengelernt, aber auf dem roten Teppich habe ich meine Kreation wiedergefunden. Unter anderem haben Jennifer Lopez, Kelly Rowland, Kelly Osborn, Natasha Bedingfield und viele mehr meine Kleider getragen. Sogar Chanel Iman, ich liebe sie. Sie ist mit Abstand die schönste Frau auf der Welt. Auch für Paris Hilton, aber das ist kein großer Erfolg. Ich meine, jeder hat schon für sie ein Kleid entworfen.

Writingaboutfashion: Du hattest einen großen Erfolg in Dubai. Wieso bist du weggezogen?
Kussay Chichakly:
Es war schrecklich, egal wo ich war: ich wurde nicht akzeptiert. Also habe ich mein gespartes Geld genommen und bin im Sommer 2015  in meine Traumstadt Berlin gezogen. Hier werde ich so angenommen wie ich bin. Zurzeit wohne ich in Neukölln in einer kleinen Wohnung.

Writingaboutfashion: Hast du nach all den Jahren wieder Kontakt zu deinen Eltern?
Kussay Chichakly:
Ja, seit einiger Zeit habe ich wieder Kontakt zu meiner Mutter und meiner kleinen Schwester. Meine Eltern haben sich getrennt. Meine Mutter hat sich meine Schwester geschnappt und ist nach Dubai gezogen. Ich hoffe, dass ich bald wieder einen Job habe, dann kann mich meine Schwester besuchen kommen. Heute bin ich sehr froh darüber, dass ich mich mit meiner Familie so gut verstehe.

Writingaboutfashion: Und hast du in Berlin einen Freund?
Kussay Chichakly: (Kussay lacht verschämt) Also ja, ich habe so was wie einen Freund. Er ist toll, fast jedes Wochenende zeigt er mir einen tollen Club. Wir gehen viel aus und mit ihm entdecke ich Berlin von einer ganz anderen Seite. Ich finde nur, dass die ganzen Berliner gleich aussehen. Sie tragen alle schwarz, wenn sie feiern gehen. Ich trage immer Farbe, das liegt mir im Blut.

Foto: Kussay Chichakly(CC)

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