Feud: ein Kampf bis zum bitteren Ende

Ryan Murphys neuste Fernsehprovokation „Feud“ ist eine Zuspitzung des Kinoklassikers „What Ever Happened to Baby Jane?“ von 1962 mit Bette Davis und Joan Crawford in den Hauptrollen. Neben unzähligen Martinis am Pool und atemberaubenden Kostümen ist die Essenz der Show die maßlose Konkurrenz zwischen den von Hollywood bereits abgeschriebenen Schauspielerinnen.

Er ist ein Erfolgsgenie mit einem beständigen Interesse an Glamour und Grausamkeit: Ryan Murphy bringt in alte Genres frischen Wind und geht auch gerne mal Risiken ein. Ähnlich wie bei seinen vorherigen Kassenschlagern „American Horror Story“ und „American Crime Story“ wird pro Staffel nur eine Geschichte erzählt. In der Auftaktstaffel von „Feud“ kümmert er sich um die älteren und von Hollywood unterversorgten Schauspielerinnen. Jessica Lange und Susan Sarandon gibt er große und glorreiche Rollen. Sie spielen Joan Crawford und Bette Davis, zwei A-List-Filmstars, die Sexsymbole in ihrer Jugend waren, sich aber nun auf dem absteigenden Ast befinden und durch das vom Jugendwahn geprägte Hollywood abgestoßen werden. Sie sollen eine letzte Chance erhalten, um noch einmal auf die Kinoleinwände Amerikas zu kommen und ihrer Karriere ein letztes Hoch zu geben.

Murphy schafft eine geniale Dreifachspiegelung durch die Besetzung der Rollen und zieht gekonnt Parallelen zum heutigen Hollywood, das sich in Sachen Frauenbild und Jugendwahn erschreckender Weise nicht stark von den 50er Jahren unterscheidet.

Bei den Dreharbeiten zu „What Happened to Baby Jane?“ treffen die Rivalinnen aufeinander und kämpfen skrupellos um die besseren Parts im Film. Geschürt wird dieser Kampf von Hollywoodkolumnistin Hedda Hopper und Producer Jack Warner, die sie immer wieder gegeneinander ausspielen und kämpfen lassen. Aus dem vermeintlichen Comeback der Hollywood-Diven wird schnell ein Schaulaufen durch Enthüllungsstories und Verrisse, das die beiden nur noch tiefer in die Abgründe Hollywoods stürzen lässt, bis sie schließlich ihr tragisches Ende in Alkoholsucht und Depressionen finden.

Aber auch noch heute, knapp 60 Jahre nach dem Ende der Karrieren der beiden Schauspielerinnen, sind Hollywood und die Filmbranche eine grausame Maschinerie für Schauspielerinnen über 40. Wenn Jugendlichkeit und Schönheit vergehen, fallen die Rollen weg und der Ruhm wird schnell zum Fluch. Wenn die Angebote ausfallen, dienen oft nur noch Talk-Shows und Kochbücher als Geld- und Publicity-Quellen. Wer Charakterrollen und echtes Kino machen will im Alter, muss dafür kämpfen und das bitter hart.

Plastische Chirurgie und Cremes können das wahre Alter zwar verstecken, doch der junge Nachwuchs sitzt in den Startlöchern und nimmt so einigen Hollywood-Stars die Rollen weg. Schauspielerinnen wie Meryl Streep oder Jessica Lange haben es geschafft, relevant zu bleiben, sei es durch eine Bandbreite an verschiedenen Rollen oder einfach durch gute und bedachte PR-Arbeit. Trotzdem aber zeigen auch negative Beispiele wie etwa das von Jada Pinkett Smith, dass viele Kino-Größen nicht mit dem schwinden Ruhm im Alter umgehen können und oftmals in einer langjährigen Alkoholsucht enden. Wenn die Lichter ausgehen und der Rummel um einen weniger wird, was bleibt dann? Joan Crawford fragt sich im Staffel-Finale von Feud: „Vor der Kamera bin ich Joan, Joan Crawford, ein Star. Doch wer bin ich jetzt? Wer bin ich?“. Sie wird bis zu ihrem Tod keine Antwort finden.

 

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