NoFap? NoFun! – Wie Männer ihre Sexualität unterdrücken

Ein besseres Leben durch Enthaltsamkeit? Männer lasst das Wichsen sein, die männliche Selbstbefriedigung bekommt wieder ein schlechtes Image.  

Manche Ideen kommen einfach nie aus der Mode. Früher predigte es die Kirche, heute verbreitet sich der Ruf im Internet: Selbstbefriedigung ist schädlich. Und genau deshalb entscheiden sich in unserer übersexualisierten Welt, ohne wirkliche Tabus, in der Zweier, Dreier und jede erdenkliche Stellung öffentlich diskutiert und genauestens analysiert werden, immer mehr Männer wieder zur total Enthaltsamkeit. Wie zum Teufel sie auch diese Idee kommen? Es ist wieder eine dieser Bewegungen, die gefühlt täglich aus dem Boden sprießen und vor denen man sich kaum nochretten kann. Denn während manche Menschen kein Fleisch mehr essen, verzichten Männer jetzt für ein besseres Leben eben freiwillig auf den Sex im Alleingang. Die Bewegung nennt sich „NoFap“ (to fap bedeutet auf Englisch masturbieren) und ist in den Staaten bereits seit Jahren ein großes Ding. Mittlerweile findet sie aber auch in Deutschland treue Anhänger.

Der Begründer der Bewegung ist Alexander Rhodes. Aber nicht der Christglaube verleitete ihn zu seinem Masturbationsstop, sondern eine Studie aus China. Laut dieser, steigt das Testosteron-Level eines Mannes um etwa 46 Prozent, wenn er sieben Tage nicht masturbieren würde. Das wollte Rhodes auch.Und weil wir bekanntlich nicht in der Zeit der Postkutschen und handgeschriebenen Briefen leben, beschloss Rhodes, seine Zeit der Abstinenz im Internet öffentlich zu teilen. Am Anfang schauten dort 20.000 Besucher pro Monat vorbei. Mittlerweile sind es 400.000 Mitglieder, die mit Stolz teilen, wie lange sie es jetzt schon ohne Selbstbefriedigung aushalten. Einen Tag, eine Woche, drei Monate, 280 Tage! Ganze Monate erklären die Nofapper zu wichsfreien Zeiträumen, 90 Tage gelten als vollständiger „Reinigungszyklus“.  90 Tage bis zur Erlösung.

Laut Nofap.org sind die Gründe für diese Enthaltung unterschiedlich, das Ergebnis jedoch immer dasselbe: Angeblich wirst du ein besserer Mensch. Sie behauptet, dass sich deine Selbstbeherrschung verbessert, dir allgemein mehr Zeit zur Verfügung steht und sich deine Grundstimmung zum Positiven verändert. Pornos führen, laut den Fapstonauten zu Impotenz, Abhängigkeit und sozialem Versagen. Wer nicht mehr wichst, wird also männlicher: „Become an Alpha Male„, versprechen die sich rasch vergrößernden Fangemeinden (inklusive NoFap T-Shirt) auf Reddit und fordern sich gegenseitig zu immer längeren Masturbationsverzichten heraus.

Dabei ist die Selbstbefriedigung nicht nur die erste und häufigste Art von Sex, die Menschen im Laufe ihres Lebens betreiben, sondern auch die einfachste und zuverlässigste Art, einen Orgasmus zu bekommen. Mögen Partnerschaften zerbrechen, Bettgenossen kommen und gehen – die eigenen Hände bleiben einem treu. Laut einer aktuellen Umfrage des japanischen Sextoyherstellers TENGA masturbieren 86 Prozent aller Männer – jung, alt, egal, gebunden oder nicht.“Früher war das ein Entsorgungsakt“, sagt Sexualforscher Gunter Schmidt, „heute wird es auch als Ressource genutzt, die Partnerschaft zu intensivieren oder mit sich selbst etwas Lustvolles anzufangen.“ Und auch wissenschaftliche Studien belegen die positiven Auswirkungen von Masturbation auf den Körper. Sie hilft, das Risiko von Prostatakrebs, Diabetes und Schlaflosigkeit zu senken und fast alle Männer führen sich danach zufrieden, friedlich und glücklich.

Von NoFap ist es nur ein kurzer Weg zurück ins 18. Jahrhundert.

Wirklich zufrieden wirken die Nofapper in den Foren dennoch nicht. „Nach einer Woche ohne dachte ich, ich würde sterben“, schreibt ein Neueinsteiger. Ein Weiterer beklagt sich über seine schmerzenden Hoden, die das kleinste Treppchen zur Tortur werden lassen. Die Geplagten werden ermutigt, nicht rückfällig zu werden. Es soll sich lohnen. Bloß nicht wichsen, bis zur Erleuchtung. Um das Fasten wird in den Foren der Nofap-Bewegung ein zeichenreicher Seelenkult betrieben. Die Selbstdarstellung der Mitglieder im Internet ist eine logische Konsequenz der Bewegung. Denn die „NoFapper“ sind vor allem eine Bewegung der Generation Porno – junge Männer, die mit Sex im Internet aufgewachsen sind. Männer, die an exzessives Masturbieren gewohnt sind. Und die dadurch nicht nur Probleme mit Orgasmen haben, sondern eben auch mit ihrem Selbstbewusstsein. „NoFap“ soll ihnen helfen, die Herrschaft über ihr Leben zurückzugewinnen. Und das alles mit nur einen Handgriff. Oder eben keinen Handgriff. Aber leider ist es von der Vorstellung, dass Masturbation einem Energie raube, bis zu der, sie mache krank, nur ein kurzer Weg. Und schnell ist man wieder im 18. Jahrhundert und die Onanie bekommt wieder ein schlechtes Image. Die Sache ist also kompliziert. Das ist Sex immer.

Wie eine moderne Skulptur. Die 3D-Serie der Tenga Masturbatoren sieht so schön aus, dass man ihren eigentlicher Zweck gar nicht mehr erkennt.

Denn obwohl die Behauptungen der Nofapper nicht wissenschaftlich belegt, verzichten sie dennoch freiwillig auf einen bedeutenden Teil ihrer eigenen Sexualität. Sie sprechen der männlichen Selbstbefriedigung die Sinnlichkeit und das Bedürfnis nach Sinnlichkeit ab und fördern das Bild des stumpf und mechanisch wichsenden Mannes vor dem Bildschirm. Das ist besonders tragisch, da vor allem die männliche Selbstbefriedigung nach wie vor ein Tabuthemen in unserer eigentlich ach so offenen Gesellschaft darstellt. Der japanische Sextoyhersteller Tenga will das ändern und die männliche Onanie mit seinen Sextoys aus der Schmuddelecke holen. Besonders durch das schlichte, elegante Design seiner Toys, die nicht krampfhaft an weibliche Körperöffnungen erinnern, verpasst Tenga der männlichen Selbstbefriedigung endlich die wohlverdiente Modernisierung. Durch sie hält man keine eigenartigen Porno-Accessoires in der Hand, sondern hochwertige Tools, die Spaß bringen und die man sich, wenn man möchte, sogar ins Wohnzimmer stellen könnte. Somit bietet Tenga, anders als die Nofapper, eine zeitgemäße Sicht auf die männliche Selbstbefriedigung. Schließlich soll man sich für seine Sexualität nicht schämen, sondern einfach Spaß haben.

Antonia

von

#view Dig Mig Eventyr! Kontostand: Nudeln mit Butter

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