„Ich bin nicht wandelbar“

Model Fania Fuchsia Folaji begeistert nicht nur mit ihrem wunderbaren Namen, sondern überzeugt zudem noch mit ihrem extravaganten Auftreten. Die 20-Jährige posierte bereits für Magazine wie Indie und Blonde, und setzte sich gekonnt in Szene für die Eyewear-Marke Pawaka. Das selbsternannte Anti-Model lebt derzeit in Barcelona, ihr Herz schlägt jedoch weiterhin für ihre Heimat Berlin.

Writing about Fashion: Was macht dich zum Anti-Model?
Fania Fuchsia Folaji:
Meine Haare und definitiv der Fakt, dass ich nicht wandelbar bin. Diese beiden Attribute unterscheiden mich ganz offensichtlich von den Laufstegmodels. Ich denke, es ist schwierig, mich in bestimmte Kategorien zu stecken. Dafür habe ich einfach schon viel zu lange meinen eigenen, sehr starken Look. Ich bin einfach nicht gemacht für einen anderen Stil.

Wie sahen deine Anfänge im Modelbusiness aus?
Ich bin halb Nigerianerin, halb Griechin, aber im Melting Pot Berlin aufgewachsen. Ich habe schon immer ein wenig anders ausgesehen. Ich bin viel zu hell für eine Schwarze und habe zu dicke Lippen und zu krauses Haar für eine Weiße. Natürlich stößt Andersartigkeit nur in eintönigen und engstirnigen Berufen auf Missverständnis. Diese wollte ich aber von vornherein nicht anstreben. Als ich mir im Alter von 14 Jahren eine lange graue Perücke kaufte und nur noch hohe Schuhe trug, wurde ich oftmals auf der Straße angesprochen und alles begann.

Welches Ereignis hat dich in der Modelbranche bislang am meisten geprägt?
Ich wurde als zu dick bezeichnet. Hört sich zuerst einmal simpel und unspektakulär an, aber es hat tatsächlich tiefe Narben hinterlassen. Ich habe daraufhin wochenlang kaum etwas gegessen und trainiert bis ich umgefallen bin. Es ist nicht in Ordnung, dass die Branche so eine enorme Macht auf jeden Einzelnen von uns ausübt.

Wie wichtig ist dir Perfektion?
Sie ist mir sehr wichtig. Zumindest meine eigene Idee von Perfektion. Dafür muss nicht alles an mir stimmen und im wahrsten Sinne des Wortes „perfekt“ sein. Ich stelle mir eine imperfekte Perfektion vor. Klingt eventuell verwirrend, macht aber für mich total Sinn.

Makel anstatt Symmetrie sind derzeit gefragt. Wie ist deine Meinung zu diesem Schönheitsideal?
Ach, das ändert sich doch ständig. Ich finde Einzigartigkeit in jeder Form schön, sie ist immer gut. Da ich auch mit zu den markanten Typen zähle, kommt mir der Wandel natürlich wahnsinnig zugute. Aber ich finde trotzdem Symmetrie nicht langweilig. Ich mag die Entwicklung sehr gern, dass nun Makel oder Züge, die man vielleicht an sich selbst nicht mochte, positives Aufsehen erregen und so zur Steigerung des Selbstbewusstseins führen. Von daher bekommt das derzeitige Ideal von Schönheit ein GO von mir.

Wie kommt deiner Meinung nach der plötzliche Wandel von Runway-Schönheiten zu Charakterköpfen zustande?
Ich glaube, wenn man diesen Trend näher betrachtet und ihn über Jahrzehnte zurückverfolgt, dass er heute einen Sinn ergibt. Trends sind abzusehen und kommen daher eigentlich gar nicht aus dem Nichts. Da in der Mode sowieso alles nur eine Frage der Zeit ist und der Körper auch nur begrenzte Trends zulässt, ist es fast schon ein berechenbarer Algorithmus. Gerade sind einfach Anti-Schönheiten gefragt und sie werden meiner Meinung nach auch noch einige Zeit bleiben. Ich bin aber überzeugt davon, dass auch das wieder weichen wird. Die Liebe zur symmetrischen Schönheit ist nicht aus der Modebranche wegzudenken. Genauso wenig wie der Magerwahn.

Haben klassische Schönheiten also noch immer eine Zukunft?
Schönheit hat immer eine Zukunft. Es kommt vielmehr darauf an, wie sie definiert wird. In meinen Augen kommt es da besonders auf das vorherrschende Schönheitsideal an.

Was ist für dich schön und wie definierst du es?
Unter schön verstehe ich Einzigartigkeit, Charisma und Signatur. Eine genaue Definition gibt es dabei für mich nicht, weil natürlich jeder ganz andere Dinge schön findet. Etwas schön zu finden, ist auch meist einfach eine Sache des Gefühls. An unterschiedlichen Tagen findet man einfach auch ganz unterschiedliche Menschen oder Objekte schön.

Was hältst du vom derzeitigen Berlin?
Berlin ist leider schon lange nicht mehr so einzigartig und punkig wie in den 80ern.  Da ich Vollblut-Berlinerin bin und in dieser Stadt aufwuchs, wird mein Herz aber immer für diese Stadt und die Mode hier schlagen. Die Frage, die sich mir in letzter Zeit oftmals stellt, ist eher: „Wo will die Mode hier eigentlich hin?“ Gerade scheint eine Zeit des Umbruchs stattzufinden. Vielleicht gibt es einfach zu viele Einflüsse aus den vergangen Jahrzehnten.

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