Karte für Weltoffene

Wo kann man heute noch als kosmopolitischer Mensch leben?

Aufkommender Rassismus, unterdrückte Demokratien und politische Entwicklungen sorgen in vielen Ländern für Unstimmigkeiten in der Bevölkerung. Vor allem mit der Flüchtlingskrise werden viele Menschen immer intoleranter anderen Kulturen gegenüber. Die Angst vor dem Fremden und vor allem die Angst vor den immer häufiger auftretenden Terroranschlägen sorgt für Abgrenzung innerhalb der Bevölkerung. Leichtes Spiel für Populisten und Nationalisten.

Doch trotz der Krise gibt es Länder, die weiterhin tolerant bleiben. Selbst Länder mit umstrittenen Parteien in der Regierung, wie beispielsweise Großbritannien, sind laut einer Umfrage doch tolerant. Die Umfrage wurde weltweit in mehr als 80 Ländern durchgeführt. Die schwedischen Forscher hatten das Ziel, die Toleranz der Bevölkerung durch eine einfache Frage zu bemessen. Sie ließen die Menschen auf einer Liste auswählen, wen sie nicht gerne als Nachbarn hätten. Und werteten dann aus wie viel Prozent der Bürger „Menschen anderer Abstimmung“ auswählten. Wir haben eine Liste zusammengestellt mit Ländern, in denen man als weltoffener Mensch seinen Platz finden kann, Ländern, die auf der Kippe stehen und Ländern, die man definitiv meiden sollte:

 

Paradies für Weltoffene:

Schweden ist eines der Länder, die sich ihre Weltoffenheit bewahrt haben. Nicht nur, dass Schweden generell eines der schönsten nordischen Länder ist, die alleine durch ihre Natur einladen. Zusätzlich sind die Schweden auch sehr tolerant. Laut der Umfrage, antworteten nur 4,9 Prozent auf die Frage, ob sie Menschen anderer Abstammung als Nachbarn haben wollen, mit „nein“. Zusätzlich wird Schweden von einer „feministischen“ Regierung geleitet, eine davon ist Vize-Ministerpräsidentin Isabelle Lövin, die sich selbst und so weitere Frauen ihrer Belegschaft bezeichnet. Doch nicht nur in Sachen Feminismus und Toleranz sind die Schweden Vorreiter. Auch in Sachen Klimawandel verfolgen sie ein ambitioniertes Ziel: Bis 2045 wollen sie keinen CO2-Ausstoß mehr produzieren. Schweden bietet also einen Platz für die Weltoffenen und Zukunftsorientierten der Welt.

Auch Kanada ist schon alleine durch seine Weite Landschaft und die schönen Großstädte ein beliebtes Land für Auswanderer. „Wie wandere ich nach Kanada aus?“ war kurz vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl die meist gegoogelte Frage in Amerika. Doch nicht nur die Landschaft spricht für den großen Norden Amerikas. Seit 2015 wird das Land von Justin Trudeau und seiner liberalen Partei regiert. Sein Kabinett besteht aus 50 Prozent Frauen, Muslime, einem Homosexuellen und einem Astronauten. Bunt und offen – wie seine Politik. Trudeau ist für die Legalisierung von Marihuana, für die gleichgeschlechtliche Ehe, für das Recht auf Abtreibung und gegen die Beteiligung Kanadas am Krieg gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Auch bei der Toleranz-Umfrage der Schweden ist Kanada vorne mit dabei: Nur fünf Prozent der Befragten würden nicht gerne neben Ausländern leben.

Auch Deutschland ist ein Land zum Wohlfühlen für Weltoffene. Die Politik der Kanzlerin Angela Merkel ist pro Flüchtlinge, pro EU und obwohl sie die Vertreterin der Christlichen Partei ist, ist sie pro gleichgeschlechtliche Ehe (oder zumindest für die eingetragene Lebenspartnerschaft). Das einzige Manko ist die immer stärker nach rechts gehende Orientierung der deutschen Bevölkerung. Bei den letzten Wahlen legte die AfD immer mehr zu. Auch die Umfrage der Schweden brachte zum Vorschein, dass die Deutschen weniger tolerant gegenüber Ausländern sind: Bis zu zehn Prozent der Befragten gaben an, nicht gerne neben ausländischen Nachbarn wohnen zu wollen.

Not bad, aber könnte besser sein:

Vor der Wahl 2016 hätte die USA womöglich noch zu den Ländern gehört, in denen man ein Paradies sehen könnte. Denn trotz der häufigen Rassismus-Vorfälle, die das Land regelmäßig erschüttern, schnitt es bei der Toleranz-Umfrage sehr gut ab. Auch hier wollen nur bis zu fünf Prozent der Bevölkerung nicht neben Ausländern wohnen. Doch seit Donald Trump Präsident von Amerika ist, geht es mit der Toleranz des Landes in großen Schritten bergab. Der Präsident leugnet nicht nur den Klimawandel, ist gegen die Abtreibung und der Ansicht, dass Frauen hinter den Herd gehören. Zudem ist er auch noch der Meinung, dass Amerika nur „great“ ist, wenn die Bevölkerung amerikanisch bleibt. Die Grenze zu Mexiko, jetzt schon die bestgesichertste Grenze der Welt, wird verstärkt und ein Einwanderungsstopp für Menschen aus vielen muslimischen Ländern verhängt. Den Einwanderungsstopp musste er inzwischen wieder zurücknehmen, aber er versucht es weiter. Zusätzlich ist er der Meinung, man müsse sich mit den (weißen) Polizisten solidarisieren, die unbewaffnete Schwarze auf offener Straße erschießen. Es ist schließlich ihr gutes Recht, wenn sie bei ihren Opfern eine Waffe vermuten. In vielen US-Staaten ist die Homosexuelle-Ehe inzwischen erlaubt – dagegen will der aktuelle Präsident Trump auch vorgehen. Dennoch muss man dazu sagen, dass ein großer Teil der Bevölkerung inzwischen gegen die Politik des Präsidenten ist. Bis 2030 wird, laut einer Studie, auch über die Hälfte der US-Bevölkerung aus Nicht-Weißen bestehen – vielleicht erledigt sich also zumindest das Rassismus-Problem von selbst.

Lieber nicht:

Laut der Toleranz-Umfrage der schwedischen Ökonomen ist das intoleranteste Land Indien. Über 40 Prozent der Bevölkerung gaben an, nicht gerne neben Ausländern wohnen zu wollen. Man könnte natürlich auch sagen, dass die Inder einfach am ehrlichsten geantwortet haben. Aber auch die Standpunkte der Inder zur gleichgeschlechtlichen Ehe, Vergewaltigung, Abtreibung und Frauen in Berufen sprechen gegen die Offenheit der Bevölkerung.

In Europa ist Frankreich mit über 20 Prozent der Befragten, die ungern Ausländer als Nachbarn hätten, das intoleranteste Land. Auch in Frankreich sorgt die Angst vor Terroranschlägen für einen Aufschwung der rechten Partei. Bei der Stichwahl am 7. Mai ging Emmanuel Macron, Gründer der links-liberalen Partei En Marche gegen Marine Le Pen, Vorsitzende der populistischen Partei Front National, als Sieger hervor. Ein kleiner Hoffnungsschimmer auf die Rückbesinnung der Franzosen zu einem weltoffenen und grenzenlosen Europa bleibt also.

Naomi

von

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