Let’s talk about Drugs

Es ist Samstagnachmittag im Görlitzer Park in Berlin. Die Sonnenstrahlen kitzeln meine Nase und lassen Blumen und Menschenseelen aufblühen. Kleine und größere Freundesgruppen sitzen auf der Wiese und verbringen die ersten Sommertage mit Kartenspielen, trinken und tiefsinnigen Gesprächen. Der Geruch von Schweiß und Bier liegt in der Luft – und da ist noch etwas: Mal stärker, mal schwächer steigt mir der Geruch von Joints in die Nase, die von den Parkbesuchern genüsslich herumgereicht werden. Gegen Abend verändert sich die Stimmung rapide. Das Gelächter wird lauter und aggressiver. Die kuschelnden Pärchen verlassen eng umschlungen den Park und aus dem dunklen Geäst tauchen hie und da junge Männer in schwarzen Klamotten auf, die den Parkbesuchern Drogen verkaufen möchten.

Anlässlich der aktuellen Diskussion zur Legalisierung von Marihuana haben wir für euch vier Personen zu ihrem Drogenkonsum befragt.

Timo, 17

Ach, weißt du. Hin und wieder kiffe ich schon mal Einen mit meinen Freunden. Aber eigentlich mag ich das nicht so. Ich werde dann immer schnell müde und der Alkohol wirkt auch nicht mehr so gut. Wenn wir mit den Jungs zusammensitzen und einen Abend mit Chillen und Zocken verbringen, dann passt das schon gut dazu. Wir werden dann viel gesprächiger und reden über Gott und die Welt. Aber beim Feiern oder auf Partys lassen wir das Dope immer zu Hause. Das wäre auf Dauer auch viel zu teuer.

Ernst, 59

Als Jugendlicher habe ich ab und zu mal an einem Joint gezogen – auf Konzerten oder so. Der klassische Kiffer war ich aber nie. Vor zwei Jahren wurde bei mir dann Rheuma diagnostiziert. Das war wirklich ‘ne beschissene Zeit. Ein ehemaliger Arbeitskollege hat mir dann erzählt, dass er gegen seine Schmerzen im Bein täglich TCH-Öl zu sich nimmt. Als mir meine Medikamente nicht geholfen haben, ging ich zu ihm und fragte ihn aus. Mittlerweile konsumiere ich jeden Morgen und jeden Abend eine kleine Menge Gras. Meine Schmerzen spüre ich fast gar nicht mehr und ich kriege sogar wieder richtig Appetit. Mir geht’s damit viel besser. Nur meine Frau jammert manchmal herum, weil sie den Geruch nicht mag. 

Lenny, 27

Meinen ersten LSD-Trip habe ich damals von einem Typen gekauft, der bei uns Acid-Jürgen hieß. Der hat die Dinger gefressen wie Smarties. Danach bin ich los zu meiner Freundin, weil ich Lust auf Sex hatte. Auf dem Weg haben der Boden und die Bäume angefangen, sich zu bewegen. Irgendwann sind wir im Bett gelandet und als ich ihre Bluse aufriss, sah ich anstatt ihrer Brüste eine bunte Landschaft mit Bergen, Flüssen und Regenbogen. Ich sah wahrscheinlich aus, als hätte ich nie zuvor Brüste gesehen. Dann habe ich meinen Körper verlassen und uns von außen betrachtet. Auf einmal ging’s richtig los: Sie lachte, während ich ihren Hals küsste. In diesem Moment wurde alles schwarz und ihr Kopf wurde zu einem dunklen, fies lachenden Hexengesicht, in das ich wie in ein schwarzes Loch hineingesogen wurde. Ich fing an, dagegen anzukämpfen. Doch das war höllisch schwer, beinahe unmöglich. Irgendwann schaffte ich es, mich auf die Bettkante zu setzen. Dort sah ich von der Decke aus meinen Körper altern. Das war wirklich eine krasse Erfahrung. Mein Trip ist dann noch schlimmer geworden. Ich hatte Panik und alle möglichen Horrorvisionen.

LSD kann dein ganzes Leben verändern, wenn du psychisch nicht stabil bist. Ich meine, selbst Acid-Jürgen, der schon seit einem Jahr keine Pappen mehr schmeißt, sitzt täglich in der Arbeit und halluziniert vor sich hin.

Laura, 21

Mit Gras habe ich wirklich gar nichts am Hut. Ich bin eher so das Trinker-Mädchen. Abends ein, zwei Gläser Wein zum Essen oder mal ein Bier zum Feierabend – das ist voll mein Ding. Aber diese ganzen Kiffer in Berlin gehen mir wirklich auf die Nerven. Ich kann diesen Hype überhaupt nicht nachvollziehen. Vor ein paar Jahren habe ich auf einer Party ein paar Züge von einem Joint probiert. Mir ist davon super schlecht geworden und ich musste sofort nach Hause. Im Bett hatte ich dann richtige Halluzinationen. Das war verdammt gruselig. Seitdem habe ich das Zeug nicht mehr angerührt. Ich verbringe auch keine Zeit mit Menschen, die ständig rauchen. Das macht auf Dauer dumm und antriebslos.

 

Foto: Lilian Engelhardt, Jean-Noël Teschauer

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