Madrid Vintage Guide

In Malasaña gibt es die besten Vintage-Läden von ganz Madrid. Wer auf Schatzsuche in Spanien ist, sollte dort unbedingt einen Zwischenstop einlegen

Es ist selten, dass es in den Straßen von Malasaña regnet. Doch wenn der Himmel grau ist und der Teer nass, dann entfalten die bunten Schaufenster der Vintage-Läden erst ihre volle Wirkung. Dann spiegelt sich nicht die helle Sonne im Glas, sondern die Aufmerksamkeit wird auf die Schaufensterpuppen gelenkt. Sie sehen aus, als hätten sie den Kostümfundus eines Theaters geplündert. Malasaña ist der Stadtteil Madrids, in dem man tagelang von Vintage-Laden zu Vintage-Laden schlendern kann. Hawaii-Hemden hängen neben Sportjacken aus den 80ern, Gürtel und Schmuck stapeln sich in Boxen unter Blümchen-Blusen.

In der Calle Velarde gibt es ein kleines Geschäft mit leuchtend roter Eingangstür: Williamsburg Vintage Clothes. Die Atmosphäre in dem engen Laden ist mindestens genauso gemütlich wie Omas Wohnzimmer. Beim Reingehen fallen einem sofort drei Kleider ins Auge. Das mittlere Kleid ist aus beigefarbener Spitze und bodenlang. „,Original aus den 30er Jahren“, sagt die Verkäuferin. Für genau dieses Kleid habe sich Sarah Jessica Parker bei ihrem letzten Besuch in Madrid interessiert. Die Verkäuferin zeigt aufgeregt auf den Saum und rennt zum Computer neben der Kasse. Sie erzählt, dass sie selbst viel zu sehr an dem beigefarbenen Kleid hänge, um es verkaufen zu können – nicht einmal an Sarah Jessica Parker. Stattdessen hat sie der Schauspielerin ein anderes Kleid vorgeschlagen. Sie klickt auf ein Foto: Es zeigt den Hollywood-Star auf einem Event in Madrid – in einem schwarzen Kleid von Williamsburg Vintage Clothes. „,Wenn sie das nächste mal in Madrid ist, will sie wiederkommen“, sagt die Verkäuferin stolz.

Ebenfalls in der Calle Velarde, nur zwei Häuser weiter, befindet sich wohl einer der aufgeräumtesten Vintage-Läden Madrids. Bei La Mona Checa liegen die Sonnenbrillen fein säuberlich sortiert auf einer Kommode, alle Kleiderbügel sind rot und aus Metall, und man muss sich nicht erst durch Berge von Klamotten graben, um vielleicht einen Schatz zu finden.

Läuft man die Calle Velarde hinunter, kommt man an den Läden Magpie und Alpha Ville vorbei. Hier gibt es auch eine besonders große Auswahl an Vintage-Teilen für Männer: Sportjacken, Hemden, Cowboystiefel, alte Levi’s Jeans und sogar Adiletten. Die Straße endet auf einem kleinen Platz. Manchmal ist dort Flohmarkt. Umzingelt von Geschäften und Cafés sitzen Madrids Hipster und genießen die Sonne. Denn da, wo es Vintage-Läden gibt, gibt es auch interessante Menschen, fernab von den großen Einkaufsstraßen mit dreistöckigen Zaras und Mangos. Malasaña ist das Kreuzberg von Madrid.

Die Calle del Espiritu Santo ist nicht weit von dem kleinen Platz entfernt. Hier reiht sich ebenfalls Vintage-Laden an Vintage-Laden. Direkt am Anfang der Straße gibt es einen riesigen Vintage-Kilo-Shop mit pinkem Anstrich und Neonlichtern im Schaufenster. Das entsprechende Kontrastprogramm bietet der düstere Laden nebenan mit dem seltsam klingenden Namen El Templo de Susu. Sobald man das Geschäft betritt, zieht einem bei lauter Rockmusik der Geruch von Räucherstäbchen in die Nase. Knisternde Sportjacken mit violetten Ärmeln? Die gibt es hier massenweise.

Auf der Suche nach Yves Saint Laurent, Ungaro und Versace lohnt sich ein Besuch in der kleinen Boutique Amores Eternos in der Calle Sta. Bárbara. Der Laden befindet sich am Rande von Malasaña, fast schon im Viertel Chueca. Die Kleiderstangen sind mit Jahreszahlen beschriftet – so kann man nach Dekaden shoppen und findet Kleidungsstücke aus den 40ern bis in die 80er. Eine kleine Ecke ist den „grandes desiñadores“, den großen Designern, gewidmet. Vor allem Jacken von Yves Saint Laurent hängen an der Kleiderstange. Die Preise sind sicherlich keine Schnäppchen, aber gucken kostet ja nichts.

Fotos: Sophia

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