Meine Oma ist vegan …

Und das ist auch gut so. Warum Sojaschnitzel, Grünkern-Buletten und Rapsöl-Tofu-Würstchen etwas Gutes bewirken

Angefangen hat alles mit drei Enten-Filets zu Weihnachten. Anstatt der üblichen Gans gab es nur noch drei Fleischstücke für meinen Onkel und meine Oma. Mehr wäre bloß eine Verschwendung gewesen. Denn der Rest der Familie, mich eingeschlossen, sind Vegetarier. Knapp ein halbes Jahr später gab es nur noch zwei Eier zu Ostern, denn meine Oma ist nun auch vegan.

Stolz isst sie mittlerweile ihren Gemüsesalat mit einer Brotscheibe und Soja-Mortadella dazu. Sie verzichtet nicht auf Tierprodukte aus moralischen Gründen, sondern passt sich in dem Fall einfach der Mehrheit an unserem Tisch an. Und so unverständlich ist das nicht. Wer hat schon Lust, an seinem Fleisch zu kauen, wenn der Rest naserümpfend seine Falafeln isst?

Anpassung hin oder her: Mich stört die Motivation hinter der Entscheidung nicht. Es hat trotzdem eine positive Wirkung – ein Fleisch-Käufer weniger. Umso mehr Menschen sich diesem Trend anschließen, um so besser. Das Schwein bleibt am Leben. Doch warum sind vor allem die Buh-Rufe von den Fleischessern so laut?

Vielleicht fühlen sie sich bedroht, weil Veganer und Vegetarier ihre vertraute Lebensweise angreifen. Sie meinen, sich rechtfertigen zu müssen, wieso ihnen bei einem Burger noch immer das Wasser im Mund zusammenläuft. Es nervt, weil ihnen klar wird, dass das Fleischessen nicht so unproblematisch ist, wie sie sich das einbilden. Oder fühlen sie sich einfach bedrängt? Von Seitan- und Sojaschnitzeln, Grünkern-Buletten und Rapsöl-Tofu-Würstchen. Von Lebensmitteln also, die entwickelt wurden, um auf dem Teller den Platz von Fleisch einzunehmen.

Von Veganern und Vegetariern gibt es gerade mal fünf Millionen in Deutschland. Auf 81 Millionen Einwohner leben nur 6,25 Prozent vegan oder vegetarisch. Da braucht man sich doch nicht bedroht zu fühlen. Und es sollte auch niemanden interessieren, weshalb sie sich dazu entschieden haben. Also liebe Fleischesser, verkneift euch doch in Zukunft das Augenrollen und esst mit Genuss eure Bratwurst. Beißt herzhaft in euren Burger oder lasst es eben bleiben.

 

Foto: Thomas Haynie @ flickr.com

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