Oben hui, unten pfui

Ein Text über Füße, Männer und Hornhaut. Warum Fußpflege doch so wichtig ist – gerade für uns Frauen

Ich muss gestehen, allzu viele Gedanken habe ich mir vorher nicht über meine Füße gemacht. Ich habe ihnen nicht viel Beachtung geschenkt – vielleicht auch, weil ich sie nie als besonders schön oder zeigenswert empfand. Das Gleiche galt übrigens auch für die Füße meiner Mitmenschen, Freunde, Familie oder die meines Ex-Freundes. Gerade bei Männern habe ich auf ganz andere Äußerlichkeiten geachtet: schöne Zähne, gepflegte Hände und eine Haarpracht, wie sie einst Marc Bolan trug, brachten mein Herz zum schmelzen. Wenn der Körper dann noch à la Calvin-Klein-Model aussah, war’s um mich geschehen.

Vor ein paar Wochen dann der Sinneswandel. Ich war bei meiner Hautärztin. Eine Verfärbung hatte sich unter meinem Fußnagel gebildet. Ich muss gestehen, was Krankheiten angeht, neige ich leicht zur Hypochondrie. Und um alle möglichen Tumore und andere Geschwüre auszuschließen, mussten meine Füße nun herhalten. „Keine Sorge, Frau Gude. Es handelt sich einfach um eine Wachstumsstörung. Nichts Schlimmes. Tragen Sie oft hohe Schuhe? Haben Sie schon mal an Einlagen gedacht? Viele vergessen, welchem Gewicht und Druck unsere Füße tagtäglich ausgesetzt sind.“

Hm, Einlagen? Ja, als kleines Kind hatte meine Mutter mir mal welche gekauft. Aber jetzt? „Auch sollten Sie ihre Füße regelmäßig eincremen. Das mindert Hornhaut und andere Verhärtungen. Dem Fuß ist weniger Druck ausgesetzt.“ Nun ja, Fußcreme habe ich schon zu Hause … Leider hält die immer noch tapfer ihren Winterschlaf in meiner Nachttischkommode und hat schon seit Längerem nicht mehr das Tageslicht erblickt.
Scheinbar merkte das wohl auch die liebe Frau Doktor: „Viele vernachlässigen ihre Füße und vergessen wie ausschlaggebend gepflegte Füße sein können. Ich erzähle Ihnen einmal was: „In meinem Medizin-Studium gab es einen Kollegen, dem die Frauenherzen nur so zuflogen. Er sah toll aus, war charmant, klug – ich war hin und weg. Eines Tages lief er vor mir her in seinen OP-Schlappen. Es war das erste Mal, dass er keine Socken anhatte und Barfuß darin lief. Als ich dann seine Füße von hinten sah, war es aus mit dem Liebeszauber. So gepflegt und attraktiv der Rest seines Körpers war, umso weniger wichtig erschien ihm seine Fußpflege. Ich sag’ Ihnen eins Frau Gude: Füße machen so viel mehr aus, als man denkt. Leider vergessen das viele!“

Und siehe da: Wie ein Sommerregen ergoss sich die Erkenntnis auf mich herab. Denn mal ehrlich: Wer will sein Bett mit verhornten, verblasten und animalisch aussehenden Nagelkrallen teilen? Der Traum von sanften Fußmassagen und zärtlichen Neckereien unter der Bettdecke wäre aus. Doch will ich das?

Ganz nach dem Motto „Selbst ist die Frau“ marschierte ich nach meinem wegweisenden Arztbesuch direkt in die nächste Drogerie und kaufte das Fußpflegeregal nahezu komplett leer. Vom Bimsstein bis hin zum Anti-Hornhautschaum – jetzt bin ich gewappnet für die nächste Flip-Flop-Saison. Denn eins will ich nicht: so enden wie der Mr. Dreamy meiner Hautärztin.

 

Foto: Anabel

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