Ohne Geschlecht geht schlecht

Die Feminismus-Welle scheint keine Grenzen zu kennen, wie sich unschwer in den Kollektionen großer Labels zeigt. Man denke nur an das Shirt des Luxus-Labels Dior, das tausendfach von Bloggern auf Instagram gepostet wurde – „We should all be feminists“ schrie es uns entgegen. Tatsache ist, dass sich das Thema Gleichberechtigung nun auch auf andere Art und Weise in der Modebranche bemerkbar macht. Immer mehr Designer und auch Modeketten möchten gar keinen Unterschied mehr zwischen Männlein und Weiblein machen. Das Resultat: Unisex-Mode.

Im Jahr 2014 verkündete Miuccia Prada nach einer Modenschau: „Ich unterteile die Menschen nicht nach Geschlechtern!“ Kern der Aussage war schlichtweg, dass es mehr der heutigen Zeit entsprechen würde, wenn Kleidung sowohl männliche, als auch weibliche Attribute vereint. Der Bedeutung von Unisex nach zu urteilen, geht es dabei allerdings um eine geschlechtsneutrale Wirkung. Aber wie sieht sie denn nun aus, diese Unisex-Mode, die gerade den Platz von Spitzenkleidchen und Baggy-Jeans einnimmt?

In der Vergangenheit war es ein Akt der Rebellion, wenn Frauen in Kleidung schlüpften, die deutliche Merkmale der Männermode zeigte. Es ging in erster Linie darum, sich von klassischen Geschlechterrollen zu befreien.

Es war Yves Saint Laurent, der durch seine Mode Frauen mehr Power verlieh. 1966 schneiderte er einen Anzug für sie, den ikonischen „Le Smoking“ und sorgte für ein historisches Ereignis in der Modegeschichte. Mit Unisex hatte das aber relativ wenig zu tun, denn ein Mann hätte diesen Anzug aufgrund der Passform niemals tragen können.

Für Frauen gestaltet es sich ohnehin nicht mehr schwer, Kleidung zu tragen, deren Merkmale eher dem anderen Geschlecht zuzuordnen sind. In der Vergangenheit war es ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichberechtigung.

Durch breite Schultern und hochtaillierte, weite Hosen ähnelte ihr Körper etwas mehr der männlichen Statur und ließ die Frauen stärker wirken. Es verdeutlichte eine Annäherung an das Geschlecht, das mehr Macht hatte und zeigte, dass ihr Platz nicht mehr weiterhin nur hinter dem Herd war. Da, wo die Kleidung nicht in erster Linie praktisch sein musste, sondern vor allem schön anzusehen.

Greift ein Mann aber zu einem Rock, entsteht schnell der Eindruck einer Verweichlichung. Während des Emanzipationsprozesses der Frauen hat sich das Kleidungsstück immerhin zu einer Art Sinnbild des eingeschränkten Lebensstils entwickelt. Ein Kleidungsstück, das der Hosen weichen musste, damit die neu definierten Gesellschaftsnormen sofort erkennbar waren. Aus diesem Blickwinkel kann ein Mann im Rock sogar einem Rückschritt gleichgesetzt werden. Wenn nicht sogar einer Machtübergabe an die Frauen, die nun die Hosen anhaben. Traditionelle Röcke, wie zum Beispiel der Schottenrock, genießen hingegen einen Ausnahmestatus, denn sie signalisieren die Zugehörigkeit zu einem Clan. Röcke ohne traditionellen Hintergrund – die verdrehen das Geschlecht.

Vivienne Westwood hat sich in ihrer letzten Show im Januar 2017 über die klassischen Geschlechterrollen hinweggesetzt und zeigte Männer in Röcken auf dem Laufsteg. Auch sie sagt von ihren Kollektionen, sie seien Unisex. Schließlich würden ihre Kollektionen ausdrücken, dass man das tragen sollte, wonach einem ist. Ein wirklich schöner Gedanke, Frau Westwood! Solange der Rock aber noch als vorherrschendes Kleidungsstück des weiblichen Geschlechts gilt, ist die geschlechtsneutrale Bedeutung von Unisex weit gefehlt. Nur weil ein Mann ein Kleidungsstück trägt, das eindeutige, weibliche Attribute vorweist, verwandelt es sich nicht in Mode für beide Geschlechter. Bei aller Liebe: Das Bild von Männern in Röcken bleibt wohl eine Ausnahme.

Der kanadische Designer Rad Hourani hat sich mit den Designs der Kleidung, die beiden Geschlechtern passen soll, intensiver beschäftigt. Merkmale seiner Mode: reduzierte und geometrische Schnitte, klare Linien und wenige Details. Unisex-Mode bedeutet vor allem eines, wie Houranis Designs zeigen – bei den Passformen muss extrem getrickst werden, da der Körperbau von Mann und Frau unterschiedlich ist. Hügellandschaft trifft auf Flachland und das Endresultat sind kastige Designs, die allesamt ähnlich aussehen, damit auch ja beide Geschlechter reinpassen. Muss Gleichberechtigung denn wirklich mit identischem Aussehen Hand in Hand gehen? In dem Fall könnten wir uns von einer aufregenden Modewelt verabschieden.

von

#fashion

Leidenschaft – Leichtigkeit – Loyalität,

Kontostand: – 450 Euro

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