The Darknet

Ein Mythos. Laut deutschen Politikern ist es ein Synonym für einen dunklen Ort des Bösen – nur eben digital. Doch kaum einer weiß, was sich wirklich hinter dem dunklen Netz verbirgt und was für Vorteile es eigentlich bietet.

Was ist das Darknet?

Konzipiert wurde das Darknet ursprünglich als Möglichkeit für Filesharer, um Bilder, Videos oder MP3-Dateien abseits der öffentlich zugänglichen Peer-to-Peer-Plattformen austauschen zu können. Normale P2P-Netze, wie Napster, scheren sich nicht um Urheberrechte, sodass der Sharer selbst haftet. Das Darknet bietet im Wesentlichen die Möglichkeit anonym im Internet zu surfen.

Man kann es sich als eine virtuelle Veranstaltung vorstellen. Für geladene Gäste kein Problem. Für unwissende ist schon der Ort ein Hürde. Um ins Darkent zu gelangen, braucht man einen sogenannten Tor Zugang. Das Wort Tor steht für The Onion Routing – die Zwiebel im Logo symbolisiert das Prinzip: Die Daten werden am Eintrittspunkt (dem Ziebelkern) verschlüsselt und dann über verschiedene Router (Schichten) weiterverschickt, sodass der ursprüngliche Absender nicht mehr zu erkennen ist.

Wenn man sich den Tor Zugang heruntergeladen hat, bekommt man mit dem Richtigen Browsernamen schon mal Zugriff auf viele der Nicht-illegalen Seiten im Darknet, wie zum Beispiel dem Hidden Wiki – ein verstecktes Wikipedia, das unter anderem „Einsteiger“ Seiten des Darknets aufführt. Das bloße surfen im Darknet ist auch nicht illegal – solange man sich auf Seiten mit legalem Content bewegt.

Auf die illegalen Seiten zuzugreifen gestaltet sich auch weitaus schwieriger. Sie sind wie ein Hinterraum auf der sowieso schon geschlossenen Gesellschaft – man kommt nur rein, wenn man einen der Anwesenden kennt und damit auch die Zugangsdaten.

Ist das Darknet das gleiche wie das Deep Web?

Der erste Unterschied zwischen dem Darknet und dem Deep Web besteht darin, dass das Deep Web ein Teil des offiziellen Internets ist, während das Darknet schon durch den Zugang abgeschottet von der Öffentlichkeit ist.

Das Deepweb macht über 90 Prozent des offiziellen Internets aus. Es sind Seiten die nicht durch eine Suchmaschine, sondern nur mit dem direkten Browsernamen gefunden werden können. Auch Seiten wie beispielsweise Bibliotheks-Mediatheken zählen zum Deep Web, da sie nur einem zahlendem User mit Nutzernamen und Passwort den Zugang gestatten. Viele politische Diskussionen und Engagements finden auf durch Passwörter geschützten Seiten statt, um die Privatsphäre der User zu sichern. Das Deepweb ist auch eine Möglichkeit für kriminelle Handlungen im „offiziellen“ Internet. Durch Passwortsicherung und die Abschattung von Suchmaschinen wie Google oder Bing wird es Ermittlern schon deutlich schwerer gemacht, an Informationen ranzukommen. Dennoch: Das Deepweb bietet bei weitem keine so hohe Anonymität wie das Darknet. Mit den richtigen Technologien oder Freigaben, kann man schließlich alle mobilen Geräte überwachen, siehe NSA Skandal.

Ein Ort für Menschenrechtler und Whistleblower

Das Darknet ist eine Möglichkeit, sich vollkommen anonym im Internet zu bewegen und somit seine Privatsphäre zu schützen. Hierbei spielt das Darknet besonders in Ländern mit großer staatlicher Reglementierung des öffentlichen Internets, wie China oder jetzt die Türkei, eine große Rolle. Es ermöglicht Menschen die freie Meinungsäußerung. Gewährt also eigentlich lediglich ein Grundrecht, was keinem Mensch vorenthalten sein sollte. Das Darknet hat also durchaus seine positiven Seiten – es diente beispielsweise während des arabischen Frühlings dem marokkanischen Arzt und Bürgerrechtler Hisham Almiraat als eine Plattform zur Kommunikation. Auch Edward Snowden nutzte das Darknet, um die Überwachung der NSA publik zu machen. Es hilft Whistleblowern in der ganzen Welt, ihre Meinung zu äußern, Kritik am System zu üben, ohne dafür ins Gefängnis zu gehen.

Doch das Darknet ist nicht nur ein Hilfmittel für Bewohner von Ländern mit eingeschränktem Recht auf freie Meinungsäußerung. Auch in Ländern wie Deutschland wird das Darknet immer wichtiger und interessanter, da nicht nur der Deutsche Staat, sondern auch Organisationen wie die NSA die Privatsphäre der Nutzer immer weiter einschränken. Teilweise geschieht die Überwachung zum Schutz vor Terroranschlägen und anderen Gefahren. Mit User-Daten wird allerdings auch immer häufiger Missbrauch betrieben. Unser Browser Verlauf wird genutzt, um Werbung, Anzeigen und Textvorschläge perfekt an uns anzupassen. Mit jeder Seite die wir im Internet besuchen geben wir ein bisschen mehr von unser Persönlichkeit preis. Das nutzt nicht nur der Werbebranche und Geheimdiensten, sondern vor allem auch Kriminellen: Denn wo kommen die geklauten Daten und Profile her, die im Darknet verkauft werden? Aus dem Internet. Es handelt sich mehrheitlich um freiwillig von Nutzern preisgegebene Informationen – wenn auch zu einem anderen Zweck.

Die dunkle Seite

2016 wurde bekannt, dass sich der Amokschütze von München seine Tatwaffe, eine Glock 17, über das „Dunkle Netz“ gekauft hatte. Seitdem beschreiben die Medien das Darknet gerne als einen digitalen Slum. Einen Platz für alle möglichen illegalen Tätigkeiten, wie Drogen- oder Waffenhandel. Glaubt man beispielsweise der Darstellung im Tatort, ist das Darknet auch der richtige Ort, um sich einfach mal so einen Auftragsmörder zu bestellen. Das geht natürlich auch hier nicht so einfach. Linus Neumann vom Chaos Cumputer Club (CCC) sagte gegenüber der deutschen Presseagentur, das Bedrohungsszenario, welches von den deutschen Behörden gezeichnet werde, sei ebenfalls nicht sehr realistisch. Denn hauptsächlich wird das Darknet für Straftaten im finanziellen Bereich, wie den Handel mit gestohlenen Kreditkarten genutzt.

Auch für den Drogenhandel wird das Darknet gerne verwendet. Handel mit Menschen, Waffen  oder Dienstleistungen kommen zwar vor, aber nicht in dem Ausmaß wie in den Medien beschrieben. Der Amokschütze von München hat seine Waffe auch nicht mal eben so im Darknet bestellt, sondern brauchte laut eines Chatverlaufs mehrere Monate zum Erwerb der Waffe. Hätte er es wirklich ernsthaft in der Realität versucht, wäre das womöglich deutlich schneller gegangen.

Zudem sind illegale Geschäfte im Darknet immer schwieriger geworden, da sich viele verdeckte Ermittler hinter Verkaufangeboten verbergen. Ein weiteres Risiko des illegalen Erwerbs im Darknet sind die sogenannten „Scammer“ – Verkäufer die nur so tun als würden sie etwas besitzen und den Käufer am Ende betrügen. Also Kriminelle die Kriminelle betrügen. Doch auch die Anonymität ist im Darknet mit Vorsicht zu genießen. Denn das Darknet bietet zwar grundlegend Anonymität, die beruht jedoch auf der Grundlage, dass der Nutzer keine Fehler macht. Schon durch die Nennung von Spitznamen, Erkennungszeichen oder ähnlichem sind Ermittler auf so manch einen „Anonymen“ Straftäter gekommen. Denn auch im Darknet kann überwacht werden, nur kann man die IP-Adressen nicht zurückverfolgen.

Schlussendlich lässt sich sagen, dass ein Ort wie das Darknet im Grunde genommen nur das Recht auf Privatsphäre der Bürger beim Wort nimmt. Man holt sich also nur, was einem zusteht. Die negativen Seiten des Darknets sind zwar schrecklich, aber in der Realität mindestens genauso – wenn nicht noch weiter verbreitet. Für Whistleblower und Systemflüchtige ist das Darknet jedoch häufig die einzige Chance auf freie Meinungsäußerung. Das bloße surfen im Darknet ist auch nicht illegal – solange man sich auf Seiten mit legalem Content bewegt.

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