Tinder im Wandel der Zeit

Sex war noch nie so einfach zu haben wie heute. Alles, was lediglich dafür getan werden muss, ist eine simple Daumenbewegung. Vor allem die Hauptstadt ist so zur Hochburg der lockeren Nümmerchen geworden. Eine besondere Rolle für das genussvolle Ausleben der Triebe spielt die Dating-App Tinder. Die Entwicklung von Tinder über einen Zeitraum von lediglich drei Jahren ist beachtlich. Ursprünglich gedacht als leicht anwendbare App zum Kennenlernen des anderen Geschlechts, erfreuten sich die Nutzer nach nur einem Jahr an Willkommengrüßen wie „Only ONS!“ und „Bitte nur ernstgemeinte Fickanfragen“.

Das neue Treiben breitete sich in Windeseile aus und erlangte höchste Extravaganz, als neben den normalen Sexanfragen auch Wünsche nach BDSM, Goldenshowers und Liebe zu dritt deutlich wurden. Lust auf Sex und mehr?  Viel viel mehr? Dann ab zu Tinder!

Diesen Ruf erhielt sich die App für viele Monate und auch heute ist mit derartigen Anfragen noch lange nicht Schluss. Eines hat sich allerdings verändert. Durch die App treffen sich die Menschen zwar für eine Affaire de l´amour aber trotzdessen distanzieren sie sich voneinander. Ein Paradox der Desozalisation!

Um dem gekonnt entgegenzuwirken, versucht Tinder nun Gruppen von Menschen zum gemeinsamen ausgehen zusammenzubringen, indem bei einem seltenen Like zahlreiche Freundschaftsvorschläge aufploppen. Der Sex ist sekundär oder bleibt, wenn es gut läuft komplett auf der Strecke. Hier geht es ganz platonisch zu.

Ist Tinder also nun was genau? Retter für einsame Seelen? Datingapp mit 100 prozentiger Sexgarantie? Fetischplatform?

Einige Typen der Tindernutzung:

Myriam, (29):

Ich distanziere mich komplett von diesem ganzen Sexting. Ich tinder eigentlich nur aus Egogründen. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass so viele Männer gern mit mir schlafen würden. Ich bin zwar Single, allerdings auf der Suche nach einer Beziehung und weiß natürlich ganz genau, dass ich diese niemals auf Tinder finden werde. Dafür ist die App viel zu oberflächlich.

Felipe, (33):

Ich benutze Tinder tatsächlich um neue Menschen kennenzulernen und hoffentlich Freundschaften daraus entstehen zu lassen. Da ich erst vor drei Monaten aus Bogota nach Berlin gezogen bin und viel arbeite, fehlt mir bislang noch die Zeit Bekanntschaften im Alltagsleben zu machen. Tinder bietet da einfach mehr Potenzial. An Dates habe ich dabei tatsächlich noch nie gedacht.

Michaela, (26)

Mich nervt es total, dass die Männer mit denen ich mich treffe, fast ausschließlich nur noch auf Freundschaften aus sind. Ich habe mich vor zwei Monaten bei Tinder angemeldet, in der Hoffnung mein Sexleben mal wieder etwas aktiver zu gestalten und bislang wollten die Männer mit mir dann nur ins Kino gehen oder etwas rein platonisches aufbauen. Was soll das bitte?

Marie, (25):

Ich persönlich war nie wirklich ein großer Fan von Tinder. Da ich seit 10 Jahren in einer festen Beziehung stecke, hatte ich nie wirklich das Verlangen danach. Mein Freund und ich haben uns nun vor sechs Monaten dazu entschlossen, uns gemeinsam dort anzumelden, um einfach mehr Abwechslung in unsere Partnerschaft zu bringen. Das funktioniert durch Tinder tatsächlich tadellos. Man trifft auf viele Gleichgesinnte und lernt die App zu schätzen.

Tim, (24):

Ich benutze eigentlich eher andere Apps um Männer kennenzulernen. Ganz oben voran natürlich Grindr. In der Schwulenszene geht es eigentlich nur darum, möglichst schnell und viel Sex zu bekommen. Bei Tinder habe ich mich vorranging angemeldet, um endlich mal Männer zu treffen, die nicht sofort auf eine schnelle Nummer aus sind. Bislang hatte ich damit großen Erfolg. Es geht vielen Männern so wie mir. Endlich steht mal das kennenlernen im Vordergrund, der Wunsch, einen Menschen hinter der oberflächlichen Fassade zu sehen. Das gefällt mir.

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