Toy Stories

Von Kleopatra’s Marmorphallus zur Taschenmuschi aus Silikon. Im Digitalen Zeitalter bringen uns nun Brillen zum Abspritzen.

Sexuelle Befriedigung ist so alt wie die Menschheit selbst. Das gilt auch für kleine Hilfsmittel. Erste nennenswerte Beispiele sind Pharaonin Kleopatras Eigenkreationen: Neben ihren Dildos aus Marmor, stillte die ägyptische Herrscherin ihre sexuelle Lust mit in Papyrus gefüllten Bienen. Durch das vibrierende Summen stimulierte sie ihre Klitoris – der erste self-made Vibrator.

Längeres Stehvermögen war schon bei chinesischen Adeligen im 13. Jahrhundert ein großes Thema. Durch selbstgemachte Penisringe versuchten die Träger länger im Bett durchhalten. Diese ersten Exemplare wurden jedoch nicht aus Holz gefertigt, sondern aus den Augenliedern von Ziegen. Inklusive Wimpern zog man sie über den Penis. Da sind die heutigen Modelle aus Silikon um Einiges ansehnlicher!

Hysterie galt im 19. Jahrhundert als weitverbreitete Frauenkrankheit. Diesem Phänomen wirkte man jedoch nicht mit Medikamenten entgegen. Vaginal-Massagen das absolute Heilmittel gegen das üble Leiden. Ein mit Pedalen oder Dampf betriebenes Gerät namens „Manipulator“ brachte die aufgewühlten Frauen nach gut zehn Minuten zum Orgasmus. Auch die Ärzte hatten sicher ihren Spaß daran.

Anfang des 20. Jahrhunderts war es in Amerika noch gesetzlich verboten Sexspielzeug  zu (ver)kaufen. Viele Männer bemerkten nämlich, dass ihre Frauen doch tatsächlich Vibratoren zur Selbstbefriedigung nutzten. Das ließ sich natürlich nicht mit den männlichen Egos vereinbaren. Heute ist das Verbot natürlich vom Tisch. Nur in Alabama müssen „Wiederholungstäter“ mit einer Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren rechnen.

Zu Beginn wurde Sexspielzeug noch aus natürlichen Materialien wie Holz oder Glas hergestellt. Bald wurden diese von neuartigen Kunststoffen wie Latex abgelöst. Nicht ganz ungefährlich: durch im Material enthaltene Weichmacher wurden bei Kundinnen unzählige allergische Reaktionen hervorgerufen. Ende der 90er Jahre brachte die deutsche Firma Fun Factory „Dolly Dolphin“ auf den Markt, den weltweit ersten Vibrator aus medizinischem Silikon. Allergien adé.

Fast zeitgleich zum Delphin-Vibrator, wurde die erste „Taschenmuschi“ für Männer erfunden. Mittlerweile sagt man dazu auch Fleshlight, was irgendwie nicht ganz so schmuddelig klingt. Das Ergebnis: eine naturgetreue Imitation der Vagina und das to go. Die japanischen Marke Tenga setzte noch einen drauf und versah alle ihre Modelle zusätzlich mit Vibration. Ein Meilenstein für die männliche Selbstbefriedigung.

2010: Immer mehr Männer entdecken ihren persönlichen G-Punkt, den man eigentlich P-Punkt nennt – die Prostata. Viele Marken bringen folglich spezielle anale Stimulatoren auf den Markt. Zum Glück scheint die uralte Angst als schwul zu gelten, sobald man sich als Mann anal befriedigt, allmählich abzuebben. Mehr Befriedigung und mehr Toleranz. Eine super Kombi!

Dildos wurden schnell von batteriebetriebenen Vibratoren abgelöst. Das ist mittlerweile aber auch schon wieder ein sehr alter Hut. Die meisten aktuellen Modelle werden mit einem USB-Kabel wieder aufgeladen. Einige Exemplare lassen sich sogar über spezielle Apps ganz gemütlich über das Smartphone steuern. Der hottest shit im Moment: Pulsation. Stoßbewegungen imitieren nämlich am besten den natürlichen Sex-Akt.

Doch was bringt die Zukunft? Virtual Reality ist das Thema der Stunde – ein technischer Höhepunkt des digitalen Zeitalters. Spezielle Brillen, wie das Oculus Rift Modell von Samsung, lassen uns persönlich in erotische Filme eintauchen. Das Genre POV (Point Of View) ist ganz sicher Inspirationsquelle Nummer Eins. Pornos erlebt man dann aber doch neu: der Brillenträger kann in die Perspektive der Person eintauchen, die zum Beispiel einen Blowjob bekommt. Geht man noch einen Schritt weiter: virtuelle Avatare lassen sich personalisieren. Größere Brüste, längere Haare, dunklere Haut. Alles ist möglich. Durch besondere 3D-Vermessungsgeräte lässt sich sogar der Partner naturgetreu abbilden.

Fotos: Karolina Moltzan und Jean-Noël Teschauer

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