Und plötzlich waren sie taub

Ja, ein Friseurbesuch hätte vielleicht auch gereicht. Ich wollte nach der Trennung von meinem Freund neue Brüste.

Die Dinger sind steinhart. Zumindest fühlt sich das unter dem Verband so an. Ich bin gerade aus der Narkose erwacht und komme mir wie im Wohnzimmer vor: orangene Vorhänge, normales Bett, gemütliches Sofa. Die Beauty-Klinik hat eine kuschelige Atmosphäre, ganz anders als im Krankenhaus. Auch die Vorbesprechung lief angenehm ab. Eben ähnlich wie beim Friseur. Nur statt Farbe und Schnitt redet man über Größe und Form. Die Silikon-Implantate liegen in verschiedenen Ausführungen einfach so vor einem rum. Von Anfang an stand fest: Auf keinen Fall solche Porno-Dinger. „Deine kleinen Titten passen doch perfekt zu dir“, waren immerhin die Worte von meinem Ex-Freund, die mich die Jahre davor von der Operation abgehalten haben. Bis mich dann die frisch operierten Brüste von einer guten Freundin förmlich angesprungen haben. Klein, fein, perfekt. Push-Up-Bh nicht mehr nötig. Das wollte ich auch.

Zwei Wochen später ist der größte Schmerz überwunden. Ich kann wieder ohne Einschränkungen duschen und langsam meine Arme heben. Weitere zwei Wochen später und der Sport-BH, der vier Wochen Pflicht war, kann ausgezogen werden. Ich bewundere das neue paar Titten vor dem Spiegel und fange an zu springen. Alles springt mit, nur die Brüste haben noch keine Lust sich zu bewegen und kleben an meinem Körper wie Stein fest. In meinen Nippeln fühle ich gar nichts. Erst mal halb so wild, zu groß ist die Vorfreude, hautenge T-Shirts ohne BH zu tragen. Denn auf den verzichte ich die folgenden Monate komplett. Kate Moss als Vorreiterin sei Dank.

In dieser Zeit lerne ich meinen aktuellen Freund bei einer Motto-Party kennen. Ob meine neuen Brüste dabei eine Rolle gespielt haben? Vielleicht. Zumindest hatte ich an dem Abend nichts weiter als einen weißen Badeanzug an. Man will ja zeigen, was man – plötzlich –  hat. Der erste Sex ist anders als zuvor. Kein Gedanke daran, dass er doch bitte bitte nicht den BH aufmacht, kein peinliches Gefühl, wenn er dann ausgezogen ist. Im Gegenteil. Egal welches Licht, ich bin dabei. Fallen lassen de luxe. Nur wenn er sich mit meinen Brüsten beschäftigt, fällt auf: Irgendwas ist anders. Die Dinger fühlen sich immer noch wie Beton an, aber davon abgesehen, spüre ich nichts mehr. Da kann er noch so oft an meinen Nippeln lecken und saugen – nichts. „Das kommt bestimmt wieder“, rede ich mir anfangs ein. Ich hatte doch schon so viel Spaß mit den beiden. Time to say goodbye?

Inzwischen sind ungefähr zwei Jahre vergangen und die Titten hüpfen wieder. Es ist erstaunlich, aber sie fühlen sich wirklich natürlich an. Kein Stein, kein Beton. Nur das Gefühl in den Nippeln – von denen hätte ich mich wirklich verabschieden sollen. Das Gefühl ist weg, kann wohl passieren. Trotzdem: Ich bereue nichts.

von

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