Verhütung ist App-Sache

Ich nehme schon seit zehn Jahren die Anti-Baby-Pille. Nebenwirkungen? Nicht, dass ich wüsste. In letzter Zeit stoße ich allerdings immer häufiger auf Pillen-Gegnerinnen und kritische Beiträge in den sozialen Netzwerken. Die bösen Hormone. Neulich hat mich das Thema sogar mitten in der Nacht erwischt. An einer Bar. Zwischen Moskow Mule und dröhnender Musik erklärte mir eine Freundin von ihrem neuen Leben. Richtig, das Absetzen der Pille empfindet sie als „Lifechanger“. Der Körper fühle sich entwässert an, die Laune und die Libido steige. Langsam werde ich neugierig. Eine schmälere Hüfte, weniger schlechte Laune und aufregender Sex klingt verlockend. Ich werde zur Pillen-Agentin und frage im Freundeskreis rum. Pro und Contras. Fast jede Antwort sagt – „Probier’ es doch mal aus“.

Fakt ist: Ich brauche ich eine Verhütungsalternative. Ich habe regelmäßig Sex und bin definitiv noch nicht bereit dafür, aus Versehen schwanger zu werden. Auch das „warte Baby, hol erst das Kondom aus der Packung bevor wir loslegen“ ist für mich und meinen Freund der Stimmungskiller schlechthin. Keine Option. Die Spirale? Nicht so spontan. Eine Frauenärztin empfiehlt mir zwei, drei Monate abzuwarten wie mein Körper auf das Absetzen der Pille reagiert, bevor ich mich für das Einsetzen der Spirale – und ja es ist schmerzhaft – entscheide. Es habe nicht nur Vorteile. Viele Patientinnen klagen über schlechte Haut oder keine Effekte. Das Thema lässt mich nicht los und ich recherchiere weiter. Google schlägt mir „Natural Cycles“ vor. Eine App, leicht anzuwenden, effektiv, keine Nebenwirkung. Aber sich auf eine App verlassen, really? Keine Frage – bequem wäre es. Ich höre mich wieder im Freundeskreis um und bingo, ich finde eine Userin der App. Jeden morgen misst sie ihre Temperatur mit einem Basalthermometer und gibt die Werte in die App ein. Grünes Licht, Sex ohne Sorgen, rotes Licht, unbedingt verhüten. Im Durchschnitt gibt es acht rote Tage. Könnte ich mit leben. Nur will ich mir wirklich von einer Verhütungs-App das GO geben lassen?

Im digitalisierten Zeitalter soll mich jetzt also eine App vor der Schwangerschaft schützen. Mir klingt das irgendwie nicht safe genug. Auch wenn Natural Cycles die erste App ist, die TÜV-zertifiziert ist. Meine Frauenärztin warnt mich sofort. Ein Temperaturanstieg könne eben auch durch Stress, Krankheit oder anderen äußerlichen Einflüssen beeinflusst werden. Ich bin verwirrt. Die App wirbt damit, dass sie mit 99,5% so sicher sei wie die Pille. Was denn nun? Ich merke, dass ich langsam besessen werde von dem Thema und frage mich wieso eigentlich. Ich habe doch nie wirklich Probleme mit der Pille gehabt. Aber ja, man lässt sich eben beeinflussen.  Doch woher kommt er überhaupt plötzlich, dieser Anti-Pillen-Trend? Eine logische Konsequenz der bewussteren Gesellschaft? Jetzt wo sich jeder zweite mit Ernährung und Umwelt auseinandersetzt, wohl eben auch mit dem Körper. Denn bei einem hat mich das ganze Pillenthema eiskalt erwischt. Ich schlucke das kleine Ding täglich, ohne zu wissen, was es mit mir macht.

Ich merke, dass ich das nicht eben nur mal ausprobieren kann. Auch meine Frauenärztin nimmt mir die spontane Euphorie. Die Pille absetzen ist eine Entscheidung, die man nicht immer mal wieder treffen kann. Trombosegefahr und verstärkte Nebenwirkungen, wenn man es sich dann doch anders überlegt. Für mich steht fest, dass ich mich etwas länger mit dem Thema auseinandersetzen möchte und eine Handy- App keine passende Alternative für mich ist. Spirale? Denkbar. Doch erstmal muss ich mich überwinden sie abzusetzen und eine zeit lang mit Kondom verhüten. Erstmal testen was mein Körper dazu sagt. Wenn ich es mache, dann richtig.

von

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