Verhütung statt Ecstasy – warum Männer in Zukunft Pillen schlucken sollten

Sexliebhaber aufgepasst: Da ich jetzt eure ungeteilte Aufmerksamkeit genieße, stellen wir uns doch mal ein 0815-Pärchen aus Berlin vor. Nennen wir es Sven und Svenja. Die beiden genießen ein tolles Abendessen, öffnen ein, zwei Flaschen Wein und landen gegen Mitternacht gemeinsam auf der Couch. Und gerade als Sven so richtig in Fahrt kommt, schreit Svenja plötzlich laut auf. Huch, das ging ja schnell heute, wundert sich Sven. Währenddessen springt Svenja bereits panisch durchs Zimmer und verschwindet kurze Zeit später im Bad. „Ich glaube, ich habe heute morgen meine Pille vergessen…“, sind die letzten Worte, die der arme Sven mit seinem schrumpelnden Männchen in der Hand zu hören bekommt. Jegliche Form von Körperkontakt kann er sich für den heutigen Abend wahrscheinlich abschminken.

Lieber Sven, du kannst die Sache … Pardon, Pille in Zukunft doch eigentlich selbst in die Hand nehmen. Forscher suchen nämlich bereits seit Jahrzehnten nach der perfekten Rezeptur für die erste hormonfreie, natürliche Männerpille. Wirklich nennenswerte Erfolge lassen sich derzeit jedoch nur schwer ausmachen.

Nachdem die Forschung zur australischen Anti-Baby-Spritze für Männer im Sommer 2011 eingestellt wurden, liegt der Fokus nun auf einer indonesischen Pflanze mit dem Namen Gendarussa (Justicia gendarussa). Der Wirkstoff dieser Blätter behindert lediglich das Enzym, das dafür sorgt, dass die männlichen Spermien die Eizelle der Frau erreichen. Es schwächt dieses ab, ohne sie hormonell zu beeinflussen. Dadurch werden die Spermien weder unfruchtbar, noch beschädigt. Eine Studie der indonesischen Universität Airlangga verspricht eine 99-prozentige Verhütungssicherheit. Das sind immerhin nur 0,1 bis 0,8 Prozent weniger als bei der Anti-Baby-Pille für die Frau. Und seien wir mal ehrlich: 99 Prozent sind 99 Prozent.

In ihrem Herkunftsland werden die Blätter des Busches in ausgekochter Form bereits seit Jahren von der männlichen Bevölkerung als Verhütungsmittel genutzt – beispielsweise als Bestandteil in einem Kräutertee. Das europäische Produkt würde, ähnlich wie in der Frauenwelt, einer Pille ähneln, die einmal täglich einzunehmen ist. Der große Unterschied? Die Nebenwirkungen sind verschwindend gering. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein? Nun ja, es gibt da schon einen Haken. Das Hauptproblem bei der Umsetzung dieses Projekts liegt nämlich an der Nachfrage. Oder sollte man lieber sagen, beim Fehlen der Nachfrage? Denn Verhütung ist nach wie vor Frauensache – ein Klischee, das auch in Zeiten von „We-should-all-be-feminists“-Mottoshirts schwer aus der Welt zu räumen ist. In einer aktuellen Studie soll geklärt werden, wie viele der europäischen Männer prozentual gesehen bereit wären, eine Männerpille als dauerhaftes Verhütungsmittel einzunehmen. Na, Jungs, wie ist das Ergebnis eures Selbst-Checks?

Es heißt doch immer, Männer stehen auf selbstbewusste Frauen. Unabhängig sollen wir sein, schön und erfolgreich. Wenn es um die eigene Karriere geht, leuchtet das ein. Aber sind wir mal ehrlich: Wir alle haben Sex, weil es nunmal Spaß macht. Wieso ist es unsere Aufgabe, dafür zu Sorgen, dass ihr uns nicht schwanger macht? Wieso müssen wir uns mit Hormonen zuballern, die uns zu kratzbürstigen Biestern werden lassen, wenn es eine so schonende Alternative für die Männerwelt geben könnte?

Unser Sven pflegt jedenfalls eine ziemliche Antihaltung an der Männerpillenfront. Doch Svenja hat bereits einen gerissenen Plan entwickelt. Die Pille wollte sie sowieso absetzen, ist ja auch ungesund, sich ständig so mit Hormonen zuzuballern. Keine Pille heißt keine Verhütung und damit auch: kein Sex. Svenja grinst in sich hinein, als sie das Badezimmer schließlich verlässt. Mal sehen, wie lange es dauert, bis Sven sich diese Pillengeschichte doch noch mal überlegt …

Foto: Lilian Engelhardt

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