Voll ins Auge

Re:publica Der Talk „How Smart our Life Is“ ergründete, wie realistisch die Zukunftsvisionen der Netflix-Serie „Black Mirror“ sind

Stell dir vor, alles, was du siehst, wird gespeichert. Du kannst durch Kontaktlinsen sehen, wer wie viele Follower hat. Du kannst anhand von Internetdaten einen Klon eines verstorbenen Menschen kreieren. Die Wände deines Zimmers sind Monitore, die dich immer wieder mit Werbung voll spamen. Der neue Präsidentschaftskandidat ist eine virtuelle Figur.

All das und noch viele weitere Beispiele, wie sich unsere Gesellschaft durch die Entwicklung der Technologie in Zukunft verändern könnte, zeigt die Netflix-Serie Black Mirror. Doch wie wahrscheinlich sind die dort dargestellten Zukunftsszenarien?

Auf der Bloggermesse Re:publika in Berlin sind Fanny Hidvegi, Markant Feràndez und Estelle Masse dieser Frage nachgegangen. In einem Workshop haben sie ausgewählte Folgen der britischen Science-Fiction-Serie analysiert und auf unsere Gegenwart bezogen. Schnell wird klar, dass die Zukunft bereits da ist.

Alles wird gespeichert

In der Folge The Entire History of You wird alles, was wir sehen und erleben, aufgenommen und auf einer Festplatte, die hinter dem Ohr implantiert ist, abgespeichert. Ob auf den Augen oder auf einem Bildschirm – wir können alles Erlebte immer wieder abspielen und Details vergrößern. Doch eine solche Entwicklung der Technologie hat auch Nebenwirkungen, wie dir dritte Folge der ersten Staffel zeigt. Situationen werden immer wieder abgespielt, zurückgespult, analysiert und diskutiert. Das Resultat – fehlendes Vertrauen und Überhand an Kontrolle.

Anfang 2016 hat Samsung Kontaktlinsen entwickelt, die uns genau das ermöglichen. Das Gesehene wird in einer sogenannten Cloud gespeichert. Die Meinung des Publikums ist gemischt. Etwa ein Drittel würde diese Kontaktlinsen nutzen. Als Brücke zwischen Mensch und Technik, um nicht mehr zum Handy greigen zu müssen, oder zur Kamera, um Momente festzuhalten. Mehr als die Hälfte der Anwesenden würde sie zwar nutzen, um sich das Leben zu vereinfachen, ist aber gegen das Produkt, da ihre eigene Privatsphäre durch die Nutzung anderer verletzt wird. Die Pros und Kontras sind ausgeglichen.

Eine posthumer Klon

In der Folge Be Right Back kommt Marthas Partner Ash bei einem Unfall ums Leben. Sie konnte kein Abschied nehmen und ist schwanger. Martha probiert den Dienst eines Internet-Programms aus: Die Künstliche Intelligenz des Systems bezieht ihr Wissen aus Inhalten, die Ash in diversen sozialen Netzwerken gepostet hat. Das ermöglich ihr, mit ihm zu Reden und sogar ein menschenähnliches Abbild, eine Art Klon, zu erhalten.

Crystal hat ein ähnliches System entwickelt. Wir können unsere Persönlichkeit analysieren und anhand virtueller Daten eine Art Spiegelbild schaffen. Das Publikum ist sich schnell einig. Ein Herr in der ersten Reihe sagt, dass das den Lebenszyklus aus der Bahn werfe. Eine ältere Dame sagt, sie könne nicht in Ruhe sterben mit dem Unwissen, dass man sie nach ihrem Tod benutzen könnte.

Die Serie zeigt in 12 Folgen, was passiert, wenn unsere Leben automatisiert und digitalisiert werden. Aber wenn wir nur einen Augenblick nicht aufpassen oder die Kontrolle verlieren, kann das drastische Auswirkungen haben. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Ein Teilnehmer des Workshops bringt es auf den Punkt: „Die Technologie löst Probleme, die wir vorher nicht hatten.“

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