Welche Berliner Modeszene?

Zwischen Moscow Mules und abgeranzter Kleidung: Die Wahrheit der Berliner Fashionwelt ist nicht so aufregend wie du denkst

Die PR- Agentur Bold organisierte vergangenen Donnerstag die Pre Bread and Butter Party, die auf dem neuen Holzmarkt Gelände stattfand. Vivianne Westwood und Model Adwoa Aboah waren als Überraschungsgäste des Abends angekündigt und das vielversprechende LineUp mit ABRA und Bambii imponierten mir. Felix, ein Freund von mir, setzte mich zwei Tage zuvor auf die Gästeliste. Alles sah so vielversprechend aus. 

Ich treffe mich mit meinen Freunden kurz vor zehn vor dem Eingang des Holzmarkts. Keine große Schlange wie erwartet, nur fünf Gäste stehen vor dem Eingang. Felix begrüsst uns und gibt uns Einlassbänder, die wirklich schick aussehen. Stunden vorher hat er gepredigt, dass wir ja nicht zu spät kommen sollten, weil 1.200 Gäste angekündigt sind.

Vor zwei Jahren war ich zum ersten Mal auf einer dieser Partys eingeladen. Auch damals hatte ich gehofft, interessante Leute anzutreffen, die in den neusten Designerteilen gekleidet sind, Champagner schlürfend in cooler Atmosphäre.
Darauf folgten unzählige Weitere, bis die Hoffnung nach der letzten 032c Party diesen Frühling endgültig starb. Die Wahrheit sieht nämlich anders aus: Vollgekokste Pappnasen, die glauben, mit 2500 Follower auf Instagram Influenzer zu sein, stehen arrogant in der Ecke und mustern alle von Kopf bis Fuss, die an ihnen vorbeigehen. Abgeranzte Kleidung und ungepflegte Erscheinungen, ja an das habe ich mich gewöhnt hier in Berlin. Aber bei 90 Prozent der Menschen sieht das einfach nur lächerlich aus. Null Individualität in einer so angeblich freien Stadt. Keine interessanten Persönlichkeiten, keine tollen Gespräche. Nichts als Oberfläche.

 Als ich im Innenhof war, war mir bereits nach fünf Sekunden klar, dass ich ein Idiot bin. Die gleichen Gesichter. Die gleichen arroganten Blicke. Die gleichen Pseudo Berühmtheiten wie jedes Mal. Schon wieder. Schnurstracks mache ich mich auf den Weg zur Bar. Beim Warten springt mir eine, ich nenne sie mal Bekannte, in die Arme. „Deine Haare sind anders! Wow, Schätzchen du siehst toll aus! Wo kann ich das Kleid kaufen?“, sagt sie, möglichst laut, so dass sie ja alle hören können. Ich setze ein Grinsen auf und schäme mich. Schnell versuche ich ihr klarzumachen, dass meine Freunde auf mich warten würden und stelle mich auf die andere Seite der Bar. „Fünf Moscow Mule bitte.“, sage ich. In Nullkommanichts stehen die bis auf den Rand gefüllten Gläser da. Der Barkeeper ist ein netter Schweizer, der die ganze Zeit rumschreit, dass er nicht schneller arbeiten könne.

Nach dem ersten Glas Alkohol gehen wir rein, um ABRA zu sehen. Ich habe mich wahnsinnig gefreut, sie endlich live zu sehen. 
Normalerweise springen die Leute auf Konzerten herum, singen die Songs mit und stehen ganz vorne, um dem Künstler möglichst nahe zu sein. Nicht in Berlin. Hier ist man zu cool dafür. ABRA, die extra aus Atlanta  eingeflogen ist, tanzt wild auf der Bühne herum. Das Bühnendesign ist spektakulär und ihre Haare wehen im Wind, wie man es nur aus Bollywood filmen kennt. Die Gäste stehen regungslos da und halten den Moment natürlich auf ihren Instagram Stories fest – damit jeder sehen kann, dass sie da waren. Links von der Bühne gibt es sogar Leute, die sitzen und sich sichtlicht gelangweilt sind. Das Schlimmste ist, dass man die Sängerin kaum hören kann, weil ihr Mirko zu leise eingestellt ist. Was für ein Desaster!

Nach zwei Stunden waren wir bereit zu gehen. Genug von angeblichen Bloggern und Influenzern, genug von der seltsamen Stimmung und betrunkenen Leuten. Die legendären Fashion Parties in Berlins sind leider nichts als Märchen. Von legendär kann man leider nicht sprechen und von Fashion genau so wenig. Mode passiert auf Berliner Straßen aber bestimmt nicht auf solchen Events. Deswegen Finger weg davon. Und ich weiss jetzt mit Sicherheit, dass es beim nächsten Mal sicher nicht besser wird. Versprochen.

 

Foto: ronny.rambo

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