Wer braucht Maskulismus?

Wer setzt sich eigentlich für die Rechte von Männern ein?

An Feminismus kommt man heute einfach nicht vorbei. Googlet man den Begriff, bekommt man innerhalb von einer Sekunde 3.222.000 Ergebnisse. Aber was ist eigentlich mit den Männern? Welche Bewegung setzt sich für deren Rechte ein? Der Maskulismus versucht es.

Möchte man sich allerdings mit dem Begriff des Maskulismus beschäftigen, liefert Wikipedia gleich das erste Problem. „Der Begriff Maskulismus ist nicht eindeutig definiert“, heißt es auf der Plattform, die gleich mehrere mögliche Erklärungsmodelle liefert: Der Begriff an sich entstand vor knapp 50 Jahren in den USA, initiiert von Vätern, die sich beim Sorge- und Scheidungsrecht benachteiligt fühlten. In den 70er-Jahren formierten sich auch im deutschsprachigen Raum Maskulisten, allerdings als eine neue Form des organisierten Antifeminismus. Da insbesondere radikale Vertreter der Gruppierung ihre Forderungen häufig mit antifeministischen und frauenfeindlichen Thesen verbinden und bei der Hetze gegen Frauen vor nichts zurückschrecken, ist der Maskulismus heute vor allem negativ besetzt. Im Gegensatz zu Feministinnen bekommen die Maskulisten kaum öffentliche oder mediale Aufmerksamkeit. Sie organisieren sich vor allem im Internet und tauschen sich in Blogs, Foren und sozialen Netzwerken aus. Dort findet man dann vor allem antifeministische Aussagen und Beleidigungen. Kaum Konstruktives. Stattdessen lamentieren die Mitglieder lediglich über Ungerechtigkeiten.

Doch nicht für alle Maskulisten sind Feministinnen der Feind, und genau diese Gruppe ist es, der man Aufmerksamkeit und Beachtung schenken sollte. „Unsere Bewegung fühlt sich stark ausgegrenzt“, sagt Arne Hoffmann, Gründer des Blogs Genderama, einer der bekanntesten und wenigen öffentlichen Vertreter der linksliberalen Männerrechtlern. “Bei Geschlechterdebatten sitzen immer nur Feministinnen auf den Podien.“ Es sei eine Tatsache, dass Jungen mittlerweile deutlich schlechtere Bildungschancen hätten, sagt Hoffmann. Deshalb liegen ihm vor allem die Benachteiligung von Jungen in der Schule und Männer als Opfer häuslicher Gewalt am Herzen. Seinen Maskulismus will Hoffmann aber nicht als Antifeminismus verstanden wissen. Im Gegenteil, er wünscht sich sogar eine starke Frauenbewegung – solange ihr eine ebenso einflussreiche Männerbewegung gegenüberstehe.

Dennoch: Mit dem Maskulismus beschäftigt sich heute kaum jemand. Seine Vertreter bekommen im Gegensatz zu Feministinnen kaum öffentliche oder mediale Aufmerksamkeit, dringen mit ihren politischen Forderungen kaum durch. Und selbst das allwissende Google liefert lediglich 18.000 Treffer. Doch jeder sollte für seine Rechte eintreten dürfen: Männer und Frauen. Deshalb brauchen wir neben dem Feminismus auch den Maskulismus von Arne Hoffmann. Keinen Hass gegen Frauen oder die Gesellschaft, sondern die Möglichkeit, auch auf die Probleme von Männern aufmerksam zu machen und diese gemeinsam zu lösen. Es ist schade, dass der Maskulismus aktuell in unserer Gesellschaft so wenig präsent ist und durch viele Negativbeispiele schnell in eine falsche Schublade gesteckt wird. Doch auch der Feminismus hat es in den letzten Jahren geschafft, sein Nischenimage abzulegen und als Teil der modernen Popkultur gefeiert zu werden. Wieso sollte das nicht auch ein neuer, zeitgemäßer Maskulismus schaffen?

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