Wirres Zeug

Mit seinen Händen tastet er die Unterseite des hohen Bartisches im Café ab. Schließlich nimmt er seine Jacke vom Schoß und legt sie auf dem Barhocker neben sich ab. Bevor Felix Schwenzel seinen derzeitigen Beruf ausübte, machte er eine Ausbildung zum Schreiner und studierte Architektur – deswegen sucht er noch immer nach Details bei Möbeln, die er auch selbst hinzugefügt hätte. Aktuell ist er Leiter einer Projektfirma, die Webseiten baut und konzipiert. „Ich kann eigentlich nichts richtig, sondern alles nur ein bisschen“, sagt Felix Schwenzel und lacht auf. Dass dieser Mann viel Sinn für Humor hat und sich selbst nicht zu ernst nimmt, lässt bereits der Name seines Blogs erahnen – „der Fachblog für Irrelevanz“. Bei seinen Vorträgen auf der Republica, eine der größten Konferenzen zu digitalen Themen, stellt er das zusätzlich immer wieder unter Beweis. Mit Witz und Ironie erklärt er dem Publikum, wie die Welt besser werden könnte.

 

„Wenn ich woanders zu Beginn sagen würde, dass ich den Vortrag erst letzte Nacht vorbereitet habe, würde das Publikum wahrscheinlich wortlos aufstehen und gehen“, sagt Schwenzel. „Die Leute dort kann ich aber sehr gut einschätzen und weiß, wie weit ich gehen kann.“ Bei keiner anderen Konferenz würden seine Vorträge so gut angenommen werden, wie auf der Republica. Vor zehn Jahren fand sie zum ersten Mal statt. Damals waren hauptsächlich Blogger Teil der Konferenz. Mittlerweile hat sich das geändert und viele Online-Geschäftsleute sind hinzugekommen. „Es treffen unterschiedliche Filterblasen aufeinander, die sich zu einem Schaum vereinen“, sagt er.

 

Felix Schwenzel beschäftigt sich in seinen Blog-Beiträgen und Vorträgen in erster Linie mit Themen, die er selbst als relevant erachtet: Dazu gehören Technik, Medien und gesellschaftliche Probleme. Er sieht sich selbst nicht in der Rolle eines Predigers und will den Menschen nicht vorschreiben, wie sie leben sollten. Die Welt kann nur sehr schwer verbessert werden, das ist ihm bewusst. Humor wird das auch nicht ändern, aber zumindest macht es die Probleme erträglicher. Aus dem Grund war Ironie auch immer ein fester Bestandteil seiner vorherigen Vorträge. So witzelte er bereits darüber, wie er die Überwachung in unserer heutigen Gesellschaft lieben lernte. Als Inspiration diente ihm der satirische Film über den Kalten Krieg „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ von Stanley Kubrick.

 

Für die diesjährige Republica arbeitet er Ansätze aus einem Werk auf, das für ihn in seiner Jugendzeit sehr prägend war – „Die Kunst des Liebens“ von Erich Fromm. Als er das Motto „Love out loud“ genannt bekam, war für ihn schnell klar, dass kein anderes Buch besser passen würde. Nachdem er mit 16 zum ersten Mal das Buch von Erich Fromm gelesen hatte, haben sich einige Ansätze des Psychoanalytikers fest in seinem Kopf verankert, die er heute noch als überaus wichtig erachtet. Nicht nur im Hinblick auf Fragen rund um die Liebe, wie sich in seinem nächsten Vortrag zeigen wird.  Zum einen ist es die These von Fromm, nicht fremdbestimmend zu handeln. „Die meisten Menschen haben eigentlich keine Ahnung, wie ein glückliches Leben aussieht. Mir scheint die Selbstoptimierung ein guter Weg zu sein, um zum Allgemeinwohl in der Welt beizutragen“, so Schwenzel. „Ich schließe aber nicht aus, dass der Weg falsch ist.“

 

Felix Schwenzel hat sich die Ziele auf seiner Mission zur Weltverbesserung hochgesteckt. Bei den Problemen unserer Gesellschaft setzt er bei essentiellen Ursachen an. Eine fiel Schwenzel beim Duschen ein. „Wir haben Angst vor allem. Angst vor Schwarzen, Angst vor Homosexuellen, Angst vor Nichtigkeiten. Wenn das nicht so wäre, gäbe es viel weniger Konflikte“, sagt er. Wie diese Angst beseitigt werden könnte? Schwenzel sieht hier eine Möglichkeit in Fromms Forderung danach, ungehorsam zu sein – denn das verlangt vor allem Mut. Mut, sich dem allgemeinen, eventuell falschen Handeln zu widersetzen. Schwenzel geht es nicht darum, Handlungsanweisungen zu geben. Er möchte lediglich Anregungen für den Weg zu einem friedlicheren Miteinander geben.

 

Damit sich das Publikum angesprochen fühlt, verzichtet er auf Normen und Regeln. „Mir ist wichtig, dass die Leute nachvollziehen können, worüber ich rede. Die Kraft liegt im Überzeugen durch gute Argumente und ausdrucksstarke Bilder“, sagt er. Ähnlich führt er seinen Blog. Er verzichtet auf Groß- und Kleinschreibung und missachtet sämtliche Rechtschreibregeln. Er will den Menschen zeigen, dass niemand unfehlbar ist und man erfolgreich ist, solange man hinter dem steht, was man tut. Das Konzept für seinen Vortrag für die nächste Republica ist noch konfus. Vielleicht verwirft er es auch vollkommen – denn wirklich konkret wird es erst in den ersten beiden Tagen der Konferenz. An diesen lässt sich Felix Schwenzel von den anderen Rednern inspirieren.

 

Republica 2017

Update: Die Kunst des Liebens

 

STAGE 1
Mittwoch, Mai 10, 2017  

17:30 – 18:30

von

#fashion Leidenschaft – Leichtigkeit – Loyalität, Kontostand: - 450 Euro

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