Zwischen Rave & Runway

Demna Gvasalia wird vom CFDA als bester Designer des Jahres geehrt – verdient?

Gvasalia erinnert an ein Szene-Kid aus Kreuzberg oder aus den Pariser Banlieues, als er sich nach der Balenciaga-Debütshow für Herbst/Winter 2016 kurz dem Publikum zeigt. Zu seiner schlabberigen, blau ausgewaschenen Baumwollhose trägt der 36-Jährige einen viel zu großen schwarzen Hoodie und bunte zerlatschte Sneaker – kein Look wie man ihn von einem Haute-Couture-Designer erwarten würde.

Nur ein Jahr vor seinem Start bei Balenciaga gründete er mit sechs weiteren Designern sein eigenes Label Vetements, das die Modewelt nachhaltig erschüttert. Sie überschreiten Kontexte, nehmen Bestehendes auseinander und fügen Dinge neu zusammen – ein völlig neuer Schönheitssinn. So finden sich Polizei-Capes, Shirts mit DHL-Aufdruck und trashige Band-Shirts neben Overknee-Stiefeln im Tennissocken-Look auf ihren Laufstegen wieder. In seiner aktuellen Kollektion für Herbst/Winter 2018 lädt er zu einer Reise durch Gesellschaftsschichten und Subkulturen ein. Vom Bauarbeiter über den typischen Punk bis zum Broker versammelt Demna stereotypische Styles auf dem Runway.

Diese Mischung aus Übermut und Unvoreingenommenheit ist genau das, was ein Haus wie Balenciaga braucht. Ähnlich wie Nicolas Ghesquière, der das angestaubte Modehaus wieder trendy machte, rüttelt auch Demna Gvasalia heute die Modewelt auf. Inspirieren lässt er sich von der Berliner Undergroundszene und illegalen Raves in London oder Paris. Eine unglamouröse Welt, die er übersetzt auf die Laufstege der Welt. Große Marken wie Balenciaga brauchen genau diese Attitude um in einem System, das sich ständig verändert, mithalten zu können. Gvasalia weiß genau, was die jungen Fashionistas von heute verlangen und kann das auch mit der Tradition Balenciagas vereinen. Ähnlich wie bei Vetements setzt er auch bei Balenciaga auf ein außergewöhnliches Styling: Knielange Kleider treffen auf geschoppte, spitze Stiefel, Blumenkleider reagieren mit gestreiften Strumpfhosen und riesige Daunenjacken werden zu geraden und eleganten Anzughosen kombiniert.

Nun, zwei Jahre nach seinem Debüt bei Balenciaga, wird er am 5. Juni vom Council of Fashion Designers of America, kurz CFDA, als bester Designer für seine Arbeit bei Vetements und Balenciaga geehrt. Kritiker sagen, er würde die Mode verhöhnen und nichts Innovatives schaffen. Doch seine Kollektionen sind eigentlich nur ein wilder Mix, der erst verstanden werden muss. Und ehe wir verstehen, ist Gvasalia schon längst weiter und erfindet sich wieder neu – avantgardistisch und modern, genau das, was ein Designer von heute braucht. Den Preis als bester Designer des Jahres hat er zu Recht verdient.

Fotos via fashionstock.com

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