Zwischen Sound Design und Instagram

Ironie ist seine Stärke. Michel Gauberts Instagram-Account ist Kult. Wenn der weltberümteste Sound-Designer über Chopette lacht, sind 230.000 User dabei

Ich tue es jeden Tag. Wenn ich morgens aufwache, ist es (leider) das Erste, was ich tue. Die Rede ist von meiner Instagram-Sucht. Neben dem Konsum von Bildern stellt dieses soziale Medium für mich nicht nur eine große Plattform für Inspiration dar, sondern auch ein großes Netzwerk für Austausch. Anscheinend spiegelt der Instagram-Account die Persönlichkeit des Menschen wider, sozusagen als Visitenkarte unserer Zeit.

Ich folge aktuell 207 Accounts und mit Abstand ist Michel Gauberts mein Liebling. Er nimmt nicht nur Chopette, die Katze von Karl Lagerfeld, auf die Schippe, sondern er postet auch Bilder von schlechten Tattoos und Queen Elisabeth II. in Hotpants. Im Buch „Talking about fashion“ wurde ich zum ersten Mal auf Gaubert aufmerksam. Auf Instagram  habe ich mich schließlich in ihn verliebt. Er scheint nicht nur der lustigste Mensch aller Zeiten zu sein, sondern auch der coolste.

Michel Gaubert erlebte einige der wildesten Sex-, Drogen- und Disco-Nächte, die Paris während der berauschenden, hedonistischen 70er- und 80er- Jahre zu bieten hatte. Der 57-Jährige arbeitet seit Jahrzehnten in der Modebranche und mixt Musik für Modeschauen, und das seit über 30 Jahren. Karl Lagerfeld erfand sogar einen neuen Begriff für seine Arbeit. Er sagte einmal: „Wenn es Hairstylisten gibt, dann muss es auch Soundstylisten geben.“ Die beiden lernten sich Anfang der Achtziger in der Pariser Diskothek La Palace kennen. Seit diesem Zeitpunkt laufen die Models weltweit zum Takt von Gauberts Melodien. Von abstrakten Geräuschen bis hin zu kommerzieller Popmusik ist alles dabei. Der skurrilste Soundtrack für eine Show war eine Tonaufnahme einer Autopsie. In seiner Arbeit, sagt Gaubert, ginge es nicht darum, tanzbare Musik zu produzieren. Viel mehr müsse man auf die Visionen des Designers eingehen. In einem Interview mit dem Zeit Magazin im September 2014 sagte er: „Mode erzählt eine Geschichte. Manchmal spiele ich Musik, die ich nicht einmal mag, wenn ich denke, dass es zur Szene passt.“ Gauberts Musiksammlung enthält mehr als 60.000 CDs, 20.000 Vinyl-Schallplatten und mehr als dreifach so viele Songs auf seinem MacBook Pro.

Auf Instagram geht Michel Gaubert nie auf seine Arbeit ein. Musik hat da keinen Platz. Dass er die Arbeit vom Vergnügen trennt und sich selbst nicht so ernst nimmt, ist einfach cool. Viel cooler als bei Leuten, die krampfhaft versuchen, ein perfektes Bild von sich abzugeben. An alle da draußen: Leute, seid doch nicht so verkrampft! Ich selbst nehme das Ganze auch nicht so ernst. Das was mich gerade beschäftig, poste ich. Meistens nichts Weltbewegendes, wie den blanken Hintern meiner Freundin Vici, ein Bild von P.Diddy auf seiner White-Party oder zwei Nonnen, von Kopf bis Fuss in Burberry gekleidet.
Vielleicht ist Instagram doch nicht die Visitenkarte unserer Zeit, sondern einfach nur ein Spielplatz für Erwachsene. Michel Gaubert ist das beste Beispiel.

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