Berliner Schlaraffenland Modevielfalt mit ständig wechselndem Angebot

 

Samuel Acebey ist ein 30 jähriger Jungdesigner in Berlin. 2013 hat er seinen Abschluss in Modedesign in Hannover gemacht und bei verschiedenen Brands wie Umasan und Sopopular gearbeitet. Mit seiner besseren Hälfte Thomas eröffnete er vor einem Jahr den Concept-Store Ge03 in der Rosenthaler Straße und verkauft dort neben seinem eigenen Label Acby auch andere Jungdesigner, wie zum Beispiel Angela Miklas, Sibylai und Jeeij. Gerade arbeitet Sam an der Umsetzung seiner dritten Kollektion.

Writingabaoutfashion: Wie kommt man als Designer auf die Idee einen Concept-Store auf die Beine zu stellen?
Sam: Eigentlich lag es auf der Hand. Nachdem ich mein Label gegründet habe, wollte ich meinen nächsten Schritt machen und mich auf die Vermarktung über einen Flagshipstore konzentrieren. Die Frage war nur wann und wo. Mit einer Brand, die kein Mensch kennt, muss man in erster Reihe präsent sein und darf sich nicht in einer Location im Hinterhof verstecken, die natürlich um einiges günstiger gewesen wäre. So kam die Idee mit dem Concept-Store und daraufhin haben wir GE03 gegründet

Gibt es Phasen, in denen du deine eigene Kollektion vernachlässigen musst?
Ja, (lacht). Die gibt es – sehr häufig sogar. Das ist auch eines der größten Probleme. Ich übernehme den kreativen Part und der beansprucht einfach sehr viel Zeit. Außerdem nehme ich Änderungen für Kunden direkt selbst in die Hand. Zeitgleich sichte ich neue Ware und dann noch die eigene Kollektion, das ist schon viel. Gerne hätte ich dafür 48 Stunden am Tag.

Aus welchen Gründen bist du nach deinem Studium nach Berlin gekommen?
Im Rahmen eines Wettbewerbes, den Audi-Fashion-Award, habe ich 2012 ein bezahltes Praktikum in Berlin gewonnen. So bin ich direkt bei einem Label gelandet. Da war die Entscheidung sehr leicht, wohin die Reise geht. Obwohl ich Berlin so als Stadt nicht sehr mochte. Mittlerweile ist es okay.

Was kostet einem Jungdesigner am meisten Kraft?
Am meisten Kraft kostet tatsächlich das Durchhalten. Dass man nicht bei dem ganzen Überangebot an Mode und Kreativität untergeht. Ein langer Atem ist wichtig, außerdem muss man beim Entwerfen stets darauf achten, nicht sein ganzes Pulver zu verschießen. Man muss immer wieder und konstant neue Sachen bringen, um damit bei den wichtigen Leuten Aufmerksamkeit zu erregen.

Wer sind deine größten Unterstützer?
Mein größter Unterstützer ist auf jeden Fall mein Freund Thomas. Der erträgt und begleitet mich jetzt schon seit fünf Jahren. Außerdem habe ich während der Uni aufgrund meiner Leistung das ein oder andere Stipendium verliehen bekommen. Für mich war es auch wichtig, auf Wettbewerben präsent zu sein. Beim Audi Fashion Award hatte es 2012 geklappt und letztes Jahr beim Leipziger Opernball.

Wie schaffst du es, einen Moment durchzuatmen?
Tja! Man arbeitet halt auf einen Sonntag hin. Die ganze Woche ist sehr durchgetaktet: von Montag bis Samstag von 11 bis 18 Uhr. Zeit zum Verschnaufen hat man dann vor allem sonntags, wenn nicht gerade ein verkaufsoffener Sonntag ist. Wir machen das jetzt fast ein Jahr und merken, es geht schon an die Substanz. Es ist schon ordentlich, was da auf einen einprasselt, aber wir machen es gerne.

Was sind deine Pro und Kontras an Berlin?
Ein Pro ist auf jeden Fall, dass der Berliner Senat ein Budget zur Unterstützung von Modedesignern und Kreativen hat. Mehr oder weniger ist es ja auch die einzige Industrie neben dem Tourismus. Somit kann man hier interessante Förderprogramme und Aufmerksamkeit bekommen. Gleichzeitig ist es aber auch ein großer Nachteil, dass es in Berlin ein so großes Angebot an Kreativen, an Menschen die Mode machen gibt. Es sind nicht nur Berliner Designer, sondern auch internationale größere Brands, mit denen man in Konkurrenz steht.

Die Designer, die du im Store verkaufst, sehen sehr handverlesen aus. Wo findest du sie und was sind deine Kriterien bei der Auswahl?
Ich glaube, ein wichtiger Punkt ist, irgendeine Art von Verbindung zu jedem Label zu haben. Oft sind es Freunde, deren Produkte wir einfach unglaublich toll finden. Persönlichkeit ist uns wichtig. Wenn wir die Person dahinter kennen, können wir das Produkt besser verkaufen. Somit haben wir ein kleines, aber sehr schönes Angebot zusammengestellt. Der Fokus liegt definitiv auf Qualität und Flexibilität, da wir eine „Made-to-measure“-Philosophie verfolgen, also Sachen individuell an den Kunden anpassen. Wir verlängern, setzen Abnäher etc. So bieten wir dem Kunden ein persönliches Verkaufserlebnis an.

Sind Concept-Stores ein Modell für die Zukunft?
Das Modell Concept-Store ist ein zukunftsweisendes Modell. Es ist ein Gegentrend zu diesem Massenkonsum. Die Preisklasse ist natürlich eine gehobene. Aber diejenigen, die bei uns kaufen, sehnen sich nach Langlebigkeit und vielleicht auch nach etwas Besonderem, nach Individualität. Dadurch haben wir eine sehr schöne Nische gefunden, die die Sehnsucht unserer Kunden befriedigt. Wenn sie dann zufrieden sind, kommen sie auch wieder. Die persönliche Verbindung mit dem Kunden ist uns wichtig.

Gibt es einen Moment, an dem du dich fragst, weshalb sich Sachen aus deinem Store besser verkaufen als die eigene Kollektion?
Ja, auf jeden Fall. Ich denke, das liegt aber auch daran, dass manche Sachen von mir nicht die Kunden ansprechen, die nur Schwarz tragen. Das ist natürlich Geschmackssache, ein klassisches Problem. Weshalb ich auch sehr offen für Kritik bin, um eine Alternative zu finden oder eine Ergänzung zu meiner Kollektion. Zu einem Kleid von mir finden Kunden im Store dann die passende Jacke von einem anderen Label. Die Produktpalette, die wir bieten, kann durch unser zutun auch nur besser werden und der Kunde kann ein breiteres und schöneres Angebot finden, das auch untereinander kombiniert werden kann und soll. Wir sind mit unseren Designern in sehr engem Kontakt und geben ihnen auch Feedback, damit die Möglichkeit besteht, dem Kunden, der zu uns kommt, gezielter ansprechen zu können.

Bald feiert ihr Geburtstag, welche Resonanz bekommt ihr von euren Kunden?

Sie ist sehr positiv. Unsere Kunden sind sehr zufrieden mit den Sachen, die sie bei uns finden und erwerben, was natürlich für unsere Auswahl und die Designer, mit denen wir zusammenarbeiten, spricht.


www.ge03.de
Rosenthaler Straße 6
10119 Berlin – Mitte