Dinner for One Ein Selbstversuch, bei dem ich mich selbst zum Essen ausführte

Letzte Woche traf mich das Alleinsein wie ein Schlag in die Magengrube. Es kam unerwartet und war fast nicht auszuhalten. Zeit für mich zu haben ist eigentlich wie Balsam. Ich brauche die vermeintliche Einsamkeit, um meine Gedanken zu ordnen und mir über Sachen klar zu werden. Zwei Jahre bin ich mit mir selbst gereist und habe die Autonomie dabei zelebriert. Doch an dem besagten Tag war ich nicht darauf vorbereitet alleine zu sein. Eine Stunde bevor wir uns treffen sollten, eröffnete mir meine Verabredung, sie wäre jetzt nicht bereit für die Menschenmenge auf dem Konzert, für das ich vor zwei Monaten die Karten für uns beide besorgte hatte.

Ich beschloss trotzdem zu gehen, ich hatte mich schließlich Monate auf den Gig gefreut. Als ich ankam blickte ich durch den überfüllten Raum und sah überall Pärchen, Freundinnen und Kumpels. Alle hatten jemanden dabei. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen, bestellte mir ein paar Mutmacher-Shots und versuchte so beschäftigt wie möglich beim Zigarettenrauchen auszusehen. Aber das Gefühl fehl am Platz zu sein, ließ sich nicht abschütteln, es ärgerte mich. Es musste eine ganz neue Einstellung her. Statt zu schmollen, versuchte ich mir wieder das Alleinsein beizubringen.

Die Woche darauf führte ich mich selbst zum Essen aus, ging zu einst ins Kino und stieg auf einen kleinen Berg in Kreuzberg um mit mir den Sonnenuntergang anzugucken. Für mein Dinner for One bewaffnete ich mich mit einem Buch. Das brauchte ich am Ende gar nicht, denn die Sonne, die vorbeilaufenden Menschen und das Essen waren genug Unterhaltung an diesem Mittag. Der Kinobesuch war viel angenehmer als anfangs erwartet. Sobald das Licht ausging, war ich sowieso anonym und einer von vielen Besuchern im Saal. Zum Sonnenuntergang stöpselte ich mir meine Kopfhörer ins Ohr und hörte meinen Lieblingskünstlern zu. Zum Einen weil es das Ganze noch schöner machte, zum anderen um gedanklich nicht in das Gelaber der Menschen um mich herum einzusteigen.

Auf anfängliche Unsicherheit, folgte ein Gefühl von Macht. Macht selbst zu bestimmen, was ich alleine und was ich mit Leuten gemeinsam machen kann. Macht, auch alleine gut auszusehen und mich wohl dabei zu fühlen. Ich genoss die Sachen für mich selbst zu genießen, es vermittelte mir das Gefühl von Unabhängigkeit. An dem Abend des Konzerts konnte ich mich fallen lassen, sobald die Band zu spielen anfing. Außerdem fragte mich der Barkeeper nach meinerNummer. Wir treffen uns diese Woche, auf einen Drink zu zweit.