„Ich fotografiere aus tiefstem Herzen“ Interview mit der Fotografin Anne Schulwitz

Anne ist eine derjenigen, die sich an strahlenden Gesichtern in authentischen Momenten in der Natur erfreut. Mit viel Leidenschaft und Kreativität hat sie sich mit ihrem Fotolabel „ehrlich herzlich fotografie“ ein zweites Standbein neben ihrer Tätigkeit als Sport-und Erziehungswissenschaftlerin aufgebaut. Ob Pärchen, die sie in Lavendelfelder schickt, beste Freundinnen im Sonnenuntergang oder die Mutter mit der Tochter­ – natürliche, authentische Fotos stehen bei Anne an erster Stelle. Ein Gespräch mit der jungen Fotografin über ihre Leidenschaft für die Fotografie, die Macht von Instagram und Selfiesticks und zukünftige Karriereträume.

Writingaboutfashion:Anne, wie bist du zur Fotografie gekommen? 

Anne Schulwitz: Durch meine Mama bin ich schon früh mit der analogen Fotografie in Kontakt gekommen. Eine Kamera war also auch bei mir in der Kindheit stets präsent. Ich wusste schon früh, dass mein Beruf mit einem engen Kontakt mit Menschen einhergehen soll. Durch mein Studium der Sport- und Erziehungswissenschaften konnten und können also viele meiner Bedürfnisse genährt werden. Doch ein Puzzel-Stück fehlte noch. Kreativität. Nach einem Shooting, bei dem ich selbst fotografiert wurde, wurde ich auf die unterschiedlichen Lichtstimmungen des Tages aufmerksam. Ich wartete sehnlichst auf die untergehende Sonne und die „Golden Hour“ und stellte mir vor: Hier jetzt selbst ein Pärchen vor meiner Linse zu haben. Das wär’s!

Was zeichnet deine Fotos aus? Mein Bild-Stil ist eher nude und zart. Ich möchte authentische Momente für immer in Bildern festhalten. Ich bin einfach nicht die richtige Person für Studioaufnahmen. Ich brenne für die vermeintlich einfachen kleinen Gesten der Liebe in der freien Natur, denn ich bin ein absoluter Draußen-Mensch. Ich fotografiere liebend gern Personen im Laufen, beim Drehen, beim Lachen, aber auch im Stillen und gern mit geschlossenen Augen. Ich glaube, diese Gegensätze sind es, die mich momentan in meinen Shootings Erfüllung finden lassen.

Warum spezialisierst du dich auf Personen- und Porträtfotografie? Mich faszinieren Menschen. Mich fasziniert die Art und Weise, wie sie miteinander interagieren. Deswegen würde ich dir aktuell sagen, dass ich mich auf die Paarfotografie spezialisiere. Jede Geschichte eines Paares ist anders. Jede Umarmung ist anders. Natürlich kann man mit ein, zwei Tricks die gleiche Pose kreieren. Aber darum geht es für mich nicht. Es ist jedes Mal spannend aufzunehmen, was ist, um etwas Magisches für die Ewigkeit festzuhalten. Wenn dann jemand sagt: „Oh, Anne, danke für die wunderschönen Bilder“, denke ich jedes Mal „Nein, Danke, EUCH!“ Dankbarkeit ist etwas so Wertvolles, was ich durch das Fotografieren von Personen immer wieder erfahren darf. Das macht glücklich!

Anne Schulwitz, fotografiert von ihrer Mama.

Was tust du, um dich von anderen Fotografen abzuheben? Ich tue diesbezüglich gar nichts. Dieser Gedanke kommt bei mir gar nicht hervor. Ich fotografiere aus tiefstem Herzen und bin gespannt, wo es mich hinführen wird.

Was würdest du gerne an deiner Fotografie verändern?                                  Grundsätzlich finde ich es super faszinierend, wie sich meine Vorlieben für Farbgebung im Laufe der Zeit verändern. Manchmal erfüllt es mich, wenn die Hautfarbe kräftiger erscheint. Dann bin ich vom Nude-Ton gefesselt. Ich würde mir wünschen, dass ich hier konstanter bleiben würde.

Welcher Fotograf inspiriert dich? Da muss ich michgar nicht weit umschauen. Super talentierte Fotografen finde ich bei mir in direkter Nähe. Außerdem finde ich verschiedene Fotografen-Paare sehr interessant. Diesen Menschen zuzusehen, wie sie zusammenarbeiten, um für ihre Kunden als einheitliches Team Momente in Reportagen festzuhalten, ist für mich inspirierend.

Gab es mal ein Foto eines anderen Fotografen, das du gerne gemacht hättest?                    Nein, nicht unbedingt ein einzelnes Foto. Eher die allgemeine Möglichkeit, zum Beispiel ein Shooting in der Provence.

Fotografierst du immer nach einem Schema? Ich denke schon. Erst leise, dann laut, dann wieder leise trifft es ganz gut. Zunächst fotografiere ich Leute beim Schlendern und im Stehen. Dann beim Laufen, drehen, beim Lachen und zum Ende wieder ein bisschen im Stillen zum herunterfahren.

Wie hart ist das Instagram-Business? Fällt es dir leicht, sich auf Instagram einen Namen zu machen und eine Community aufzubauen? Das ist eine schwierige Frage und muss, denke ich, mit einer Zielvorstellung einhergehen, die bei jedem unterschiedlich ist. Möchte ich eine große Reichweite haben und über Instagram Kunden generieren? Dann sollte ich hier Zeit in meinen Feed und Instagram-Stories investieren. Aus Sicht eines Kunden ist es auf jeden Fall genial, dass man schnell die Möglichkeit hat, sich aktuelle Arbeiten eines Fotografen anzuschauen und durch persönliche Posts nah an dem Fotografen dran ist. Der Fotograf profitiert natürlich auch davon. Wenn der potenzielle Kunde schon so viel von dir gesehen hat und dich kontaktiert, ist es doch sehr wahrscheinlich, dass die Harmonie stimmen wird.

In einer Welt voller iPhones, Selfiesticks und 1000 Filtern, braucht man da überhaupt noch die Spiegelreflex-Fotografie? Ich sage: ja klar und nein. Wie viele Menschen heutzutage wunderschöne Bilder kreieren, weil es das Zeitalter möglich macht, begeistert mich! Im Handumdrehen werden individuelle Fotos produziert. Sie können sofort gelöscht werden und man darf sich weiter ausprobieren. Wo waren all diese kreativen Menschen vor Instagram und Co.? Ich bin für kreatives Austoben, egal mit welchen Mitteln! Natürlich braucht man für einen bestimmten Ausdruck entsprechend hochaufgelöstes Bildmaterial. Aber davon abgesehen bin ich ein ganz klarer Fan von Medien, die Menschen unterstützen, sich kreativ auszuleben.

Kannst du dir vorstellen, dein Leben lang nur von der Fotografie zu leben?                          Lasst uns in ein paar Jahren noch mal sprechen. Vielleicht ist es dann so, dass ich von der Fotografie lebe. Ich möchte mich da jetzt noch nicht festlegen. Auf Kinderlachen im Rahmen meiner Tätigkeiten als Sport- und Erziehungswissenschaftlerin möchte ich aktuell nicht verzichten.

Was sind deine Karriereträume im Hinblick auf die Fotografie? Den Mut zu haben, sich vermeintlich unüberwindbaren Herausforderungen zu stellen. Zum Beispiel ein Shooting in der Provence. Warum tue ich es nicht einfach?