KILL AKIRA Ein Interview mit der Designerin hinter dem Newcomer-Label und ihre Inspiration

Vanessa Quiste Tello kombiniert in ihren Kollektionen Funktionalität und Elemente der japanischen Kultur. Nun gründet die angehende Modedesignerin ihr eigenes Modelabel Kill Akira.

writingaboutfashion: Was bedeutet Kill Akira?
Vanessa Quiste Tello: Ich wurde vom Animefilm Akira inspiriert! Den Namen finde ich sehr schön und ich mag den Klang sehr gerne. Eine weitere Inspiration war der Film Kill Bill. Das Wort „Kill“ habe ich bewusst gewählt, denn ich finde es frech, mutig und brutal. Mein Label steht für casual urban Streetwear. Die Idee hinter dem Namen ist „töte den Dämonen“. Bis ich einen Namen, mit dem ich mich identifizieren kann, gefunden habe und ich mich gerne präsentieren möchte, war es ein langer Weg. Als Teenager hat man seine Phasen und jetzt mit 22 habe ich das Gefühl, mich endlich selbst gefunden zu haben und zu wissen, in welche Richtung ich gehen möchte.

Ist Akira der Dämon?
Ja. Die Maske in meinem Logo habe ich selbst designt. Sie soll einen Dämon namens Akira verkörpern. In der japanischen Mythologie gab es ein traditionelles Theaterstück mit Noh-Masken. In der Mitte der Maske ist außerdem ein Auge, das für Fusion steht.

Was ist dein Markenzeichen?
Die Fusion. Ich kreiere gerne neue innovative Shapes, versuche aber trotzdem, praktisch und funktional zu bleiben. Zum Beispiel mit Cargo-Pants mit vielen Taschen oder Sweater mit Reflektoren um nachts gut gesehen zu werden. Ich kombiniere in meinen Kollektionen traditionelle japanische Elemente mit neuen modernen Silhouetten und lasse dadurch etwas Neues entstehen.

Wovon lässt du dich inspirieren?
Inspirationen hole ich mir vor allem durch Bildrecherche online. Auf sozialen Netzwerken folge ich einigen Künstlern oder besuche Blogs zur Inspiration. Zu meinen Vorbildern gehört zum Beispiel Yohji Yamamoto. Vor allem, weil er alles in schwarz macht. Das gefällt mir sehr gut.

Wusstest du schon immer, dass du mal Modedesignerin werden willst?
Ich habe mich schon immer für Kunst und fürs Zeichnen interessiert. Aber erst in der Pubertät habe ich gemerkt, wie sehr mich Mode interessiert. Ich finde es cool, dass Mode so allgegenwärtig ist. Jeder hat Klamotten an und Kleidung wird immer gebraucht. Verbunden mit Kreativität habe ich darin meine Leidenschaft gefunden. Um mich auszuprobieren, habe ich dann ein Schülerpraktikum gemacht und gemerkt, das ist genau, was ich später mal machen möchte.

Was war früher dein Lieblingsfach in der Schule?
Zwar habe ich Kunst als Leistungsfach gewählt, war aber davon sehr enttäuscht. Ich war sehr interessiert daran, Menschen zu zeichnen. Doch der Unterricht war total langweilig. Wir haben immer nur Gebäude und Treppe mit Acryl gemalt. Das war so gar nicht meins. Deswegen konnte ich mich im Kunstunterricht nicht wirklich ausleben. Umso mehr habe ich mich dann in der Abiturzeit daran versucht, meine eigenen Sachen zu produzieren und zu verkaufen. Ich hatte damals noch keine Nähmaschine und habe deswegen erst mal weiße T-Shirts modifiziert: sie zerschnitten, mit Permanent-Marker bemalt und sie gebatikt. Meine Kreationen habe ich dann an Freunde verkauft. So hat alles angefangen.

Wo hast du deine ersten praktischen Erfahrungen gesammelt?
Mein erstes Praktikum habe ich in einem kleinen Laden in Berlin gemacht. Nach dem Abitur musste ich erst mal meine Mappe anfertigen. Einige Universitäten haben außerdem ein Vorpraktikum verlangt. Deswegen habe ich auch noch ein Jahr bei einer anderen Designerin in Berlin gearbeitet. Dort habe ich eine Menge gelernt. Zum Beispiel den Umgang mit Programmen wie Photoshop oder Illustrator. Meine Kenntnisse habe ich dann im Studium an der Media Design Hochschule Berlin vertieft. Für mein Pflichtpraktikum war ich zwei Monate bei Coexist. Und danach habe ich bei einer Modestylistin gearbeitet, weil ich auch großes Interesse am Styling habe.

An was arbeitest du aktuell?
Im Moment arbeite ich an einer Minikollektion mit drei bis vier Outfits. Hierbei geht es um die Fusion aus Militär, Japan und der dystopischen Zukunft. Dabei ist die Farbe Neongrün der Leitfaden der Kollektion.

Auf welchen sozialen Medien kann man deine Mode sehen?
Auf Instagram kann man meine Kollektionen sehr gut nachverfolgen. Ich habe jetzt Pullis gemacht, und aktuell plane ich ein Shooting mit Hosen, um diese dann zu verkaufen. Schritt für Schritt möchte ich mein Label voranbringen.

🍒 RISA Sweater 40€ 🖤 DM 💕

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Wieviel kosten deine Teile?
Die Preise meiner Sweater variieren von 40 bis 70 Euro. Die Hosen werden um die 80 Euro kosten. Ich versuche in einem bezahlbaren Rahmen zu bleiben. Trotzdem steckt unglaublich viel Arbeit in der Produktion meiner Teile.

Wo siehst du dich selbst in zehn Jahren?
Ich arbeite auf einen eigenen Laden hin, in dem ich meine Sachen verkaufen kann. Ein größeres Team würde mir dann helfen, die Sachen zu produzieren. Außerdem wünsche ich mir einen erfolgreichen Onlineshop. Mein größter Traum wäre vielleicht sogar, einen Store in einem anderen Land zu haben –­­­­­ wie Japan. Ich war zwar noch nie dort, aber dieses Jahr im September ist es endlich soweit. In Japan möchte ich Inspirationen sammeln und Stoffe kaufen, die man hier in Deutschland nicht bekommt.


Foto: Arnold Hammer