Monarchie & Alltag: Freitagabend Eine Szenenbeschreibung im Rotlichtviertel in der Kurfürstenstraße

21.30 Uhr, Kurfürstenstraße in Berlin-Tiergarten. Schon auf dem Weg zu dem bekannten Rotlichtviertel, in der Potsdamer Straße, begegnen einem haufenweise Prostituierte. Rechts und links reihen sich Casinos aneinander, alle mit schwarz-verkleideten Scheiben. Davor stehen die typischen protzigen Typen mit Rolex-Uhren. Sie tragen Sonnenbrillen, obwohl natürlich keine Sonne mehr scheint. Mit großen Klunkern an Armen und am Hals zeigen sie, was sie haben. Helle Lichter flackern wie in Las Vegas und laute Bässe dröhnen aus den fetten Benzern. Am U-Bahnhof Kurfürstenstraße angekommen, steht eine Prostituierte nach der Anderen am Straßenrand. Viele vermeintlich aus osteuropäischen Ländern. Das Alter kann man ihnen teilweise nicht ansehen. Eine vielleicht 20 Jahre alt, die Nächste stolze 50 Jahre. Miniröcke und knallige Farben sind hier vorwiegend an der Tagesordnung. Kurze Hosen, sodass gerade mal die Arschbacken bedeckt sind und verschlissene High Heels. Andere sehen wieder ganz normal aus: Sneakers, lange Hosen und eine Lederjacke. Keine aufreizende Kleidung, keine Lackstiefel – dass sie ihren Körper verkaufen, merkt man nur daran, dass sie seit Stunden am Bordstein stehen. Manchmal denke ich, selbst ich könnte mich in meinem Outfit auf den Strich stellen. Vor dem Erotikkaufhaus LSD (Love, Sex, Dreams) ist es besonders schlimm. Die Prostituierten laufen direkt auf vorbeifahrende Autos zu oder quatschen die haltenden Wagen an der Ampel an. Sie sehen verbraucht aus, manche wahrscheinlich auf Drogen. Mit Attraktivität hat das Ganze nichts mehr zu tun. Lange kann man mit dem Auto allerdings nicht auf ein und derselben Stelle herumfahren, denn nach einer Weile wird man komisch angeguckt. Ich bekomme Angst, dass gleich die Zuhälter um die Ecke kommen, wenn man nicht gleich die Fliege macht. Auf einmal kommt mein Lieblingslied im Radio. Es ist bereits 23 Uhr und ich fahre wieder nach Hause.