My Weekly Obsession: Buffalo Classics Wie ich meine Liebe zu der Königin des Plateau wiederentdeckte

Ich bin wahrscheinlich viel zu jung, um mich an das ganze Hype-Getue im genauesten Detail erinnern zu können. Was ich allerdings noch weiß, ist, dass sich meine Mutter ständig über diese „entsetzliche“ Jugend und speziell dessen „grottenhässlichen“ Modestil aufregte. Wie jeder weiß, handelt es sich bei den 90er Jahren um ein Jahrzehnt schriller Outfits und drogengeschwängerter Elektro-Raves. Meine Mutter war wahrscheinlich froh, mich nicht zehn Jahre früher bekommen zu haben und mit anschauen zu müssen, wie ihre Tochter vom geraden Weg abkommt. Wie auch immer. Ich selbst war nicht dabei, aber ich habe das Gefühl, den Vibe dieser Zeit genau mitbekommen zu haben, wie ein leiser, hallender Techno-Beat, den man am Morgen nach der Party noch im Kopf hört.

Ich habe ein klares Bild vor Augen: eine Partymeute, die sich in neon-farbigen Netzoberteilen, weiten Hosen und Buffalo Classics zu Westbam und Sven Väth abschwitzt. Eine ganze Generation, geschmacklos gekleidet und auf Drogen. Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, das alles in einem Alter miterlebt haben zu können, in dem ich Teil dieses ziellosen Umhertreibens gewesen wäre. Zum Glück reichte das modische Empfinden der 90er noch bis in die frühen 2000er und trug das lethargische Überbleibsel viel zu langer Nächte mit sich.

In diesen Jahren habe ich viel Zeit mit meiner Cousine in Zagreb verbracht. Dort – und ich bin mir ziemlich sicher, dass das in anderen Städten auch der Fall war – hörte man Evanescence und Papa Roach, trug Tribal-bedruckte Tanktops über Longsleeves, viel zu viele Armbänder und noch immer: Buffalo Classics. Jedes Mal, wenn ich auf der Straße jemanden in diesen Schuhen sah, blieb ich fassungslos stehen. Ich weiß nicht mehr, ob ich beeindruckt war oder die Worte meiner Mutter auf einmal total Sinn ergaben. Es waren auf jeden Fall die außergewöhnlichsten Schuhe, die ich bis zu diesem Zeitpunkt jemals gesehen hatte. Bunte, klobige Lederschuhe auf fünf Zentimeter Plateau. Sie hatten eine seltsame Form. Sie hatten Schnallen und trotzdem Schnürsenkel, das machte irgendwie keinen Sinn. Ich sah viele Leute in diesen Schuhen. Ich fand jeden von ihnen unheimlich cool, weil sie alle irgendwie heruntergekommen und besonders aussahen, als wäre ihnen völlig egal, was andere von ihnen hielten. Ich hatte das Gefühl, dass diese Schuhe den Leuten Selbstbewusstsein verliehen. Ich wollte diese Schuhe auch haben. Da mir aber meine Cousine schon den Vogel zeigte, als ich als Siebenjährige davon schwärmte, verschonte ich meine Mutter besser mit meinem Wunsch.

Und wie das nun mal so ist, wird man älter, der eigene Modegeschmack verrennt sich unzählige Male in die komplett falsche Richtung und irgendwann findet man genau das wieder unsagbar gut, was man früher bereits gefeiert hat. Zumindest so ungefähr. Ich habe nie wieder an diese Schuhe gedacht, bis ich sie vor Kurzem im KaDeWe auf dem Präsentierteller sah. Und obwohl ich nur noch 200€ auf meinem Konto hatte, wusste ich, dass ich tagelangen Geldmangel auf mich nehmen würde, um mir diesen Kindheitswunsch zu erfüllen. Mittlerweile schauen mich die Leute genauso an, wie ich die Techno-Kids damals angegafft habe. Und auf irgendeine Weise fühlt sich das verdammt gut an.