My Weekly Obsession: New Kids in Berlin Wie der Vokuhila langsam wieder modern wurde

 

Angefangen hat das Ganze mit dem Umstyling bei der Castingshow Germanys Next Topmodel – es herrscht Aufregung, Geläster und Diskussion. Wie immer wurde viel darüber geredet. Ich ignorierte das ganze Phänomen der Castingshow gekonnt und verpasste die Sensation. Unwissend kommen am nächsten Tag schon die ersten Kommentare: „Sally sieht aus als hätte sie einen Topfschnitt“ oder „Alle bekommen einen Pony, total langweilig“.  Für die meiste Aufregung sorgte anscheinend Zoe, sie bekam von der lieben Heidi einen Vokuhila verpasst. Ich nahm das als Tatsache auf, verschwendete eine Mitleidsminute an die unbekannte Zoe und vergaß das Thema.

Während eines WG Fernsehabends holte mich der Vokuhila jedoch wieder ein. Da sah ich das Wunderwerk das erste Mal auf Zoe’s Kopf und dachte: gar nicht mal so schlimm. Kurz darauf wurde einer Teilnehmerin bei der Spielshow „Mein bester Feind“ die gleiche Oldschoolfrisur verpasst. Der ursprüngliche Männerhaarschnitt aus den 80-igern bedeutet ausgeschrieben „vorne kurz, hinten lang“. Ich wusste anfangs nicht mal das Vokuhila ein deutsches Wort ist. Ich musste an niederländische Serie New Kids denken, an einen Schnauzer und einen Typ im weißes Ripptanktop mit Jogginghose und „Adiletten“. Man könnte meinen der Vokuhila sei die Offenbarung des schlechten Geschmacks, trotzdem hatte es mir die Frisur aufeinmal angetan.

Vor einigen Tagen klingelte es an der Tür – Amazon Bestellung für meine Mitbewohnerin. Mit Strahlenden Augen nahm sie das Paket entgegen und verschwand damit ins Bad. Dann begann der Wahnsinn. Mit einer blonden Vokuhila-Perücke auf dem Kopf, welche sonst nur auf Junggesellenabschieden getragen werden, und einem aufgemalten Schnauzbart kam sie aus dem Bad. Was auf den ersten Blick wie ein Unfall wirkte, wurde durch den dauernden Anblick immer erträglicher. Der Braune stand ihr am besten. Die Vokuhila-Aktion endet letztendlich in einem wilden Fotoshooting. Jeder musste das Ding einmal anprobieren. Als wir danach die Fotos anschauten ist uns aufgefallen, dass der Schnitt gar nicht mal so hässlich ist.

Seitdem gehe ich mit geschultem Auge durch Berlin. Auf einmal sehe ich sie überall: Meist getragen von Ü40-jährigen, überraschend viele Frauen, die noch eine Reminiszenz aus den 80-igern auf dem Kopf tragen. Ich muss an Dieter Bohlen, Wolfgang Petry und Chuck Norris denken. Doch dann stand plötzlich ein junger Kerl, mit blondem und echtem Vokuhila, im Sisyphos Club vor mir. Zu meiner Aussage er sei der erste den ich mit dem Fanhaarschnitt sehe, lächelt er nur. Er habe sich spontan den Haarschnitt zugelegt, ohne über den anscheinenden Trend der im Kommen ist nachzudenken. Ob bald alle mit einem Vokuhila rumlaufen werden, weiß nur die Zukunft. In Sachen Style sind wir in unsere WG einer Meinung: Lieber der Vokuhila als das Arschgeweih.