Monarchie & Alltag: Sonntagnachmittag Eine Alltagsszene am Frankfurter Hauptbahnhof

18:53 Uhr, Hauptbahnhof Frankfurt am Main. „Passen Sie auf Ihr Gepäck und Ihre Taschen auf. Zurzeit kommt es gehäuft zu geplanten Banden-Raubüberfällen“. Hektik. Zielgerichtet stürmen sie aneinander vorbei, rempeln sich an, verschwimmen in der Menge. Die Horrorvorstellung eines jeden Künstlers im Zeitalter des Expressionismus: die Anonymität der Großstadt. Umherschwirrende Reisende überall. Penner, Polizisten, Banker und Punks. Ich fühle mich wie ein Teil des Ameisenhaufens. Niemand beachtet mich und genau genommen beachte auch ich niemanden. An diesem Ort ist jeder bloß irgendwer. An Orten wie diesen geht es um Zeit. Wie viel Uhr ist es? Kommt der Zug pünktlich an? Wann werden wir uns wiedersehen? Eile. Egal wo man hinschaut, man spürt förmlich wie die Uhr tickt. Ich fühle den Puls der Stadt und zünde mir eine Zigarette an. Ich beobachte ein Pärchen, das sich überglücklich in die Arme fällt. Sie küssen sich, umarmen sich, können nicht mehr voneinander ablassen. Scheinbar haben sie sich eine ganze Weile nicht gesehen. Das erinnert mich daran, dass „Zuhause“ nicht zwangsläufig ein Ort sein muss. 19:13, mein Zug fährt los. Auf einmal Stille.