Unten ohne Mein Selbstversuch drei Tage lang auf Schuhe zu verzichten

Vor ein paar Wochen waren zwei Freunde bei uns in der WG zu Besuch. Das Wort Hippie beschreibt die beiden sehr gut, sie sind am liebsten in der Natur und sind sehr bodenfixiert – beide laufen nur barfuß. Schon oft genug habe ich gehört barfuß laufen sei am gesündesten, ich aber muss sofort an Schmerzen, dicke Hornhaut und Fußpilz denken. Nach einiger Recherche habe ich herausgefunden, wenn man für längere Zeit die gleichen Schuhe trägt, es besonders schnell passieren kann, dass der Fuß sich verformt. Zusätzlich soll das Laufen ohne Schuhe die Muskeln aufbauen, was wiederrum zu einer besseren Körperhaltung führt und das Immunsystem stärken soll. So ganz kann ich das noch nicht glauben, also plane ich kurzerhand eine kleine Challenge an mich selbst: Drei Tage barfuß laufen heißt jetzt meine Mission.

Kurz nachdem aufstehen meldet sich mein Magen pünktlich mit einem Hungergefühl und wir alle beschließen, nach einem Blick in den leeren Kühlschrank, dem nahliegenden Edeka einen Besuch abzustatten. Ohne zu überlegen stand ich auf und ging im Schlafanzug mit nackten Füßen Richtung Haustür. Meine Mitbewohnerin schaute mich kritisch an: „Willst du wirklich so einkaufen gehen?“. Ganz überzeugt war ich selbst nicht, fand mich kurzerhand aber trotzdem barfuß stehend im Edeka wieder. Auf dem Rückweg nach Hause kreuzte eine riesige Pfütze meinen Weg. Die erste Hürde und damit auch die erste Überwindung durchs braungraue Baustellenwasser zu laufen. So schlimm wie es aussah, hat es sich allerdings nicht angefühlt.

Ein paar Stunden später entschied ich mich zum nahliegenden See zu gehen. 30 Minuten barfuß an der Straße entlang, dann durch den Wald und letztendlich durch Sand. Die seltsamen Blicke fielen mir jetzt gar nicht mehr so extrem auf, eher hielt ich ständig Blickkontakt mit dem grauen Boden. Scherben wurden von da an zum größten Feind und die kleinen spitzigen Kieselsteinchen verwandelten den Waldweg in ein Nagelbrett. Doch mit jedem Schritt gewöhnte ich mich mehr an den blanken Fuß, ich bildete mir sogar ein, meine Umwelt besser wahrzunehmen.

Am nächsten Tag war ich so im Barfußfieber, dass ich mich an den weiten Weg zum Bahnhof Zoo wagte. Ein bisschen unwohl fühlt man sich anfangs schon, vor allem musste ich mir die ganze Zeit vorstellen wie meine Fußsohlen den Dreck vom Boden aufsaugen. Am                 U-Bahnhof Leopoldplatz tänzelte ich nur noch halb auf Zehenspitzen. Gerade jetzt wünschte ich mir Buffalo Tower Boots mit zehn Zentimeter Plateausohle, um so weit wie möglich mit den Füßen vom dreckigen Boden entfernt zu sein. Am liebsten hätte ich zu meinen sicheren Schuhen gegriffen, aber das hatte ich mir selbst verboten.

Total verdreckt kam ich wieder in unserer Wohnung an, auch ein Nachteil, denn man verbringt jeden Tag circa zehn Minuten damit, seine Füße wieder sauber zu bekommen. Am gleichen Tag bin ich trotz dem großen Ekel erneut zum See gelaufen. Dieses Mal war es eine Wohltat im Vergleich zum U-Bahnhof.

Am dritten Tag würdigte ich meinen Schuhen nicht mal mehr einen Blick. Auf dem erneuten Weg zum See schoss mir der Gedanke in den Kopf: Vielleicht ist Barfußlaufen ähnlich wie oben ohne am Strand liegen – Ein aufoktroyierter Zwang der uns von klein auf durch die Gesellschaft eingeprägt wurde.

Eigentlich ziemlich schade das wir schon in unserer Kindheit dazu getrimmt werden. Nach drei Tagen habe ich angefangen es mehr zu genießen, ohne das sichere Schuhwerk rumzulaufen. In einigen Situationen lassen sich Schuhe nicht vermeiden, wie in der Arbeit zum Beispiel, dennoch gibt es genügend Gelegenheiten einen Barfuß-Catwalk im Alltag einzubauen. In der U-Bahn greife ich dann doch lieber wieder zu meinen Birkenstocks. Zu aller Überraschung lag ich dann am Samstag sogar oben ohne am See.  Alles eine Sache der Gewöhnung.