Was zum…? Fünf Modetrends bei denen man nicht glaubt, dass es sie wirklich mal gegeben hat

1. Die Schamkapsel

Was ist das überhaupt?

Die Schamkapsel war ein Schritteinsatz, den man als Latz aufknöpfen konnte. Bei eng geschnittenen Hosen wurden die beiden Beinröhren mit einem Schritteinsatz verbunden. Dadurch konnten sich Männer beim Tragen der Hosen besser bewegen. Die Kapsel war ein Schutz aber auch eine Zurschaustellung des männlichen Genitals.

Wie ist der Trend entstanden?

Ab dem 14. Jahrhundert wurde die Herrenmode in einigen Teilen Europas zunehmend enger und körperbetont. Dabei wurde die Schamkapsel populär, weil sie das Bindeglied zwischen den Hosenbeinen bildete. Männer die Schamkapsel trugen wollten auffallen. Meistens unterschied sie sich farblich von dem Rest der Kleidung. Die Schamkapsel war ausgepolstert und frei wählbar zusätzlich mit bunten Bändern oder auch farbigen Schleifen verziert. Auch die Form der Schamkapsel war die Entscheidung des Trägers. Es gab runde aber auch Bananen- oder Gurkenformen. Die Schamkapsel sollte männliche Potenz und permanente sexuelle Bereitschaft signalisieren.

Wer sollte das heute noch tragen?

Selbstbewusste Nachtschwärmer in Fetisch- oder Nachtclubs

2. Der Humpelrock

Was ist das überhaupt?

Der Humpelrock ist ein bodenlanger, enger Rock. Frauen konnten sich in ihm nur sehr langsam fortbewegen. Um zu verhindern, dass der Humpelrock bei schnelleren Bewegungen nicht riss, wurde Frauen die Beine unter dem Rock zusammengebunden. Eine weitere Möglichkeit war ein Korsett, dass auch die Oberschenkel bedeckte. Mit einer Schnürung konnte so die Beinfreiheit noch weiter eingeschränkt werden.

Wie ist der Trend entstanden?

Der Trend fand paradoxerweise in einer Zeit großen Anklang, in der Frauen gerade versuchten mehr Freiheiten bei der Kleidungswahl zu erlangen. Anfang des 20. Jahrhunderts forderten Frauen anstatt von Korsett, Reifrock und bodenlangen Kleidern bequemere Kleidung. Doch der französische Modedesigner Paul Poiret entschied sich dafür genau das Gegenteil als neues It-Piece zu verkaufen. Den Höhepunkt der Beliebtheit erreichte der Humpelrock um 1910. Während dieser Zeit wurde in der Presse vermehrt über Unfälle aufgrund des Tragens des Humpelrocks berichtet. Frauen fielen Treppen herunter, schafften es nicht schnell genug über die Straße oder verletzten sich bei dem Ausstieg aus der Kutsche.

Wer sollte das heute noch tragen?

Niemand. Allein die Vorstellung die Rolltreppe mit einem Humpelrock noch rechtzeitig zu verlassen, bevor man ihn nicht nur zerreißt, sondern sich auch selber mit in die Tiefe stürzt, ist äußert schmerzhaft.

3. Die Haarnadel der Selbstverteidigung

Was ist das überhaupt?

Hüte auf denen Haarnadeln, Spitze und halb gerupfte Vögel drapiert wurden, gelten heute als antiquiert. Doch zur Jahrhundertwende und Anfang des 20. Jahrhunderts waren große Hüte mit passende Haarnadeln ein wichtiges Accessoire, ohne dass man nicht aus dem Haus ging. Doch sie waren zu der Zeit sogar noch mehr als das. Für Frauen wurden die Haarnadeln zur Jahrhundertwende zur Waffe um sich gegen übergriffige Männer zu verteidigen.

Wie ist der Trend entstanden?

Frauen waren zum Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr nur auf das Leben in den eigenen vier Wänden beschränkt. Mit der Eröffnung von großen Kauf- und Warenhäusern in Städten konnten Frauen sich mit der Zeit immer öfter auch im öffentlichen Raum bewegen. Doch die Gefahr auf offener Straße oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln belästigt oder von Männern angegriffen zu werden, war leider sehr hoch. Daher machten sich Frauen ihre gigantischen Hüte und ebenso gigantischen Haarnadeln zu Nutze. Was in den USA startete breitete sich nach Europa und sogar nach Australien aus. Die Presse berichtete immer wieder von Fällen in denen Männer mit bis zu 22 cm langen Haarnadeln das Gesicht aufgekratzt wurde. In einigen Fällen wurde sogar von tödlichen Folgen gesprochen. Das Ganze führte soweit, dass Gesetze erlassen wurden, die festlegten wie groß die Haarnadel höchstens sein durfte.

Wer sollte das heute noch tragen?

Moderne Feministinnen mit einer Vorliebe für opulente Hüte und scharfe Nadelspitzen

3. Die Chopinen

Was ist das überhaupt?

Die Chopine war die erste Version eines Schuhs mit Plateauabsatz. Die Sohle konnte von 10 cm bis zu 20 cm oder sogar 74 cm hoch sein.

Wie ist der Trend entstanden?

Die Chopinen waren vor allem in Spanien und Italien des 15. und 16. Jahrhunderts ein großer Trend. Doch bereits in der Antike gab es erste Vorläufer der Chopinen. Mit dem „Stehen“ über anderen Menschen sollte der Wohlstand der jeweiligen Trägerin demonstriert werden. Je höher die Chopinen wurden, desto schwieriger wurde es natürlich auch für die Frauen sich auf den Schuhen fortzubewegen. Das ging so weit, dass Frauen beim Tragen von Bediensteten an beiden Seiten gestützt werden mussten.

Wer sollte das heute noch tragen?

Lady Gaga wäre sicherlich eine begeisterte Trägerin der Chopinen. Für Normalsterbliche sollten Krücken ein absolutes Muss sein, wenn man schon keine Bedienstete mehr einstellen kann, die einen beim Tragen stützen.

4. Bleiweiß als Make-up

Was ist das überhaupt?

Zu Lebzeiten der britischen Königin Elisabeth I. schminkten sich Adelige und vermögende Menschen mit einem Make-up auf Bleibasis.

Wie ist der Trend entstanden?

Für Königinnen und Adelige war blasse Haut ein Synonym für Schönheit, Macht und Vermögen. Ab dem 16. Jahrhundert wurde ein höchstgefährlicher Trick angewendet, um den idealen Hautton zu erreichen. Wenn man nicht bereits von Natur aus den gewünschten Grad an weißer Farbe im Gesicht erreichen konnte, wurde mit giftigem Make-up nachgeholfen. Doch wer, wie Königin Elisabeth I. einmal mit dem Zuspachteln des Gesichts begonnen hatte, konnte sein Leben lang nicht mehr aufhören. Das Blei verursachte Abszesse im Gesicht der Trägerin, die aber immer neu mit Bleiweiß abgedeckt werden mussten. Ein Teufelskreis! Dazu kommt noch, dass das Blei mit der Zeit in den Blutkreislauf drang und die Trägerin nach und nach vergiftete. Sogar in Japan vergifteten sich noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts viele Frauen freiwillig mit Bleiweiß.

Wer sollte das heute noch tragen?

Das! Sollte! Wirklich! Niemand! Nachmachen!